Nazi-Raubkunst aus Wuppertal unterm Hammer

Nazi-Raubkunst aus Wuppertal unterm Hammer

Caspar Netschers Bild „Dame mit Papagei am Fenster“ soll bei Christie’s in New York mehr als zwei Millionen Euro bringen.

Wuppertal/New York. Zweimal wurde das Gemälde von den Nazis geraubt, zuletzt hing es in einem Wuppertaler Museum: Nun soll „Dame mit Papagei am Fenster“ im Juni in New York versteigert werden. Christie’s erhofft sich für das Werk von Caspar Netscher drei Millionen Dollar (etwa 2,2 Millionen Euro). Das Werk des 1639 in Heidelberg geborenen Malers hing jahrzehntelang im Von der Heydt-Museum — das Haus hatte immer mit der Erbengemeinschaft kooperiert. Anfang Februar hatte der Rat einstimmig die Restitution des Gemäldes beschlossen.

Museumsdirektor Gerhard Finckh sagt dazu: „Es ist schmerzlich, dass wir das Bild verlieren, zumal es ein Geschenk von Rudolf Ziersch, dem früheren Vorsitzenden des Kunst- und Museumsvereins, an das Museum war, und somit eine Erinnerung an ihn. Aber da wir der Washingtoner Erklärung verpflichtet sind, geben wir das Bild selbstverständlich an die Erben zurück.“

Ursprünglich gehörte das Bild der Alten Pinakothek in München. Die Nazis hatten es dort beschlagnahmt und vermutlich Ende der 30er Jahre an das jüdische Sammler-Ehepaar Hugo und Elisabeth Jacoba Andriesse in Belgien verkauft. Nach der Flucht der Andriesses in die USA wurde das in einem Museumsbunker eingelagerte Bild 1942 ein zweites Mal von den Nazis beschlagnahmt und gelangte nach dem Krieg in den Kunsthandel. Rudolf Ziersch erwarb das Gemälde 1950 und schenkte es dem Wuppertaler Museum.

Der Erlös aus der Versteigerung soll wohltätigen Zwecken zugutekommen. Wird das Bild tatsächlich für drei Millionen Dollar versteigert, wäre es ein Rekord für einen Netscher. Der liegt bei 1,9 Millionen Dollar. dpa

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