Maler brachten Kultur ins Land

Maler brachten Kultur ins Land

Eine Schau zeigt, wie die Preußen Düsseldorf vor zweihundert Jahren zur Metropole der Kunst machten.

Düsseldorf. Demonstrativ gibt das Museum Kunstpalast seiner Ausstellung zur Düsseldorfer Malerschule des 19. Jahrhunderts den Titel „Weltklasse!“. Damit will Bettina Baumgärtel als Kuratorin die einseitige Sicht auf die französische Gruppe in Barbizon und auf die Impressionisten revidieren.

Um dies zu beweisen, passiert die Kunst eines ganzen Jahrhunderts in 440 Exponaten Revue. In diesem Großpanorama fehlt nur ein Bild, Emanuel Leutzes Meisterwerk mit George Washington, der mit seinen Truppen den eisigen Delaware überquert. Das am Rhein entstandene und im New Yorker Metropolitan Museum hängende Werk durfte nicht ausreisen. Es wird wie eine Ikone der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung gehütet.

Die erste internationale Künstlerbewegung Düsseldorfs, diese Düsseldorfer Malerschule, nahm 1826 recht beschaulich in der damals kleinen Provinzstadt ihren Anfang. Zu diesem Zeitpunkt traf der Berliner Maler Wilhelm von Schadow auf Geheiß des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III, mit seinen besten Schülern am Rhein ein. Er sollte dem Rheinland, das mit dem Wiener Kongress von 1815 preußisch geworden war, Geschmack und Kultur beibringen. Schon 1819 hatte Preußen die Düsseldorfer Kunstakademie wiederbegründet, dessen Rektor jetzt Schadow wurde.

Diese Ausstellung wird den Kunstmarkt beleben, denn der ist leer gefegt. Alle Werke von Caspar David Friedrich sind in Museen gebunkert, die Impressionisten nicht mehr zu haben. Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts aber ist noch zu haben. Wie qualitativ sie ist, zeigen so brillante Werke wie Eduard Bendemanns „Zwei Mädchen am Brunnen“ oder die Freundschaftsbilder von Schadow selbst, beispielsweise sein Doppelbildnis der Prinzen Friedrich Wilhelm Ludwig von Preußen und Wilhelm zu Solms-Braunfeld. Das ist Porträtkunst in höchster Vollendung.

Selbst die lange Zeit verpönte Historienmalerei lässt aufhorchen. Emanuel Leutzes figurenreiches Bild zum Krieg zwischen den USA und Mexiko (1848) wirkt wie die Vorwegnahme von Hollywood. Der Maler sammelte sogar Kostüme und Accessoires der Indianer, um das Hauen und Stechen der Figuren darzustellen.

Dass die Düsseldorfer Maler auch damals aktuelle Themen aufgriffen, zeigt Carl Wilhelm Hübner. Noch vor Gerhard Hauptmann lässt er 1844 eine schlesische Weberin auf den Boden sinken, während sich der Fabrikant in Herrscherpose vor ihr aufbaut. Johann Peter Hasenclever nimmt die Kritik witziger. Seine Kumpels entsorgen eine Gliederpuppe aus dem Atelier, weil Requisiten in einer lebensnahen Kunst nicht mehr gebraucht werden.

Zehn Jahre vor den Malern von Barbizon zogen Johann Wilhelm Schirmer und Carl Friedrich Lessing mit dem Aquarellkasten in die freie Natur, nach ihnen taten es Hans Fredrik Gude und Andreas Achenbach. Sie glaubten jedoch noch, eine Landschaft müsse im Goethe’schen Sinne zunächst Dichtung und dann Wahrheit, also Wirklichkeit, sein.

Erst der Schweizer Arnold Böcklin läutete nach 1850 das Ende der Naturnachahmung ein und ebnete den Weg zum Symbolismus. Eugene Dücker fand Anschluss an die französische Moderne, und Walter Ophey schlug den Bogen zum Sonderbund. Die Düsseldorfer Malerschule endet mit der Preußischen Regierungszeit nach dem Ersten Weltkrieg.

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