Lauffs-Sammlung: Geht Krefeld die Kunst aus?

Lauffs-Sammlung: Geht Krefeld die Kunst aus?

Am Montag verhandelt die Stadt mit Helga Lauffs um deren Sammlung. Davon hängt ab, ob ein Skandal droht.

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p class="text"><strong>Krefeld. Während das Mönchengladbacher Museum Abteiberg in neuem Glanz erstrahlt, ziehen sich über den Krefelder Kunstmuseen dunkle Wolken zusammen. Es geht seit Monaten das Gerücht, dass die Sammlung Lauffs aus dem Kaiser-Wilhelm-Museum am Karlsplatz abgezogen wird. Eine Katastrophe. Mit dieser Sammlung von Walther und Helga Lauffs verlöre das international renommierte Haus mit einem Schlag ganze Herzstücke. Knapp 500 Werke des Museumsbestandes gehören der Familie Lauffs. Immer wieder hatte es Anläufe gegeben, diese Sammlung vertraglich ans Museum zu binden. Vergeblich. Alle Museumschefs - von Wember über Gerhard Storck, Julian Heynen und jetzt Martin Hentschel - scheiterten. Aus der Sicht der Sammlerfamilie bestand auch kein Grund dazu, erst recht nicht später, nach dem Tod von Walther Lauffs. Das "Kapital" war gut untergebracht. Nun soll am 5. November ein neuer Anlauf unternommen werden. Beide Seiten, so weiß man inzwischen, treten mit juristischen Beiständen an.

Am Montag wird es auch um Steuererleichterungen gehen

Bei diesem Gespräch wird es nicht nur um Verträge gehen, sondern ganz sicher auch darum, wie Helga Lauffs (82) samt ihren Töchtern und Familien in den Genuss von Steuererleichterungen kommen kann. Ein Erbfall rückt näher.

Im großen Beuys-Raum sind einige der wichtigsten Arbeiten des Künstlers überhaupt: das geradezu poetische Regal "Barraque D’Dull Odde" (1961-67), der mächtige "Fond IV/4" aus Filz, Kupfer und Eisen, die "Gundfana des Westens", die berühmte "Anschwebende plastische Ladung" (1960-69), alles dies Werke, die Beuys bei Besuchen neu ordnete oder umschichtete. Hier ist die persönliche Handschrift dokumentiert.

Was die Witwe Helga Lauffs in jüngster Zeit besonders geärgert hatte, war der Umgang der Kommunalpolitik mit den Plänen zur Sanierung des über 100 Jahre alten Museumsbaus. Dabei hatte die CDU vom Koalitionspartner FDP manche Kröte zu schlucken.

1968: Sammler Walther Lauffs bietet dem Krefelder Museumsdsirektor Paul Wember die Möglichkeit, gemeinsam eine Sammlung aufzubauen und dem Museum als Leihgabe zur Verfügung zu stellen.

Ankäufe: Schon gleich zu Beginn der Kooperation werden im Kunsthandel große Werke von Indiana und Kienholz erworben. Indianas großes "Love" in der Eingangshalle des Kaiser-Wilhelm-Museums wurde damals (bis auf den heutigen Tag) zum Signet des Hauses.

Pop-Art: Arbeiten von Warhol, Wesselmann, Jim Dine, Lichtenstein und anderen Amerikanern gehören zur Sammlung.

Kinetik: Werke von Tinguely, Bury, Agam werden erworben.

Concept-u.Minimal-Art: Zu den Schwerpunkten der Sammlung zählen Werke von Kosuth, Andre, Sol LeWitt, Donald Judd, Richard Tuttle, Serra und Stella.

Europa: Werke von Yves Klein und Joseph Beuys werden zu Herzstücken der gesamten Krefelder Schausammlung.

AktuelleModerne Arbeiten von Prangenberg, Stephen Craig kommen in die Sammlung. Letzte Ankäufe im Jahre 2004.

Verkäufe: Für Unruhe sorgten zuletzt zwei Verkäufe kapitaler Arbeiten von Warhol ("Flowers") und Lichtenstein direkt aus der Krefelder Schausammlung heraus. Beide Werke erzielten jeweils 6 Millionen Dollar auf dem New Yorker Kunstmarkt.

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