Kunst-Kaufhaus in Maastricht: Wo der Kunde im Privatjet kommt

Kunst-Kaufhaus in Maastricht: Wo der Kunde im Privatjet kommt

In Maastricht öffnet wieder das Kunst-Kaufhaus für Superreiche.

Maastricht. Am Wochenende werden auf dem Flughafen Maastricht-Aachen 125 Privatjets erwartet. Denn es ist Tefaf-Zeit: Für zehn Tage ist das Kongresszentrum in Maastricht das exklusivste Kaufhaus der Welt. Egal ob Schmuck, Teppiche, Möbel oder Bilder — wenn es um die gehobene Wohnzimmereinrichtung geht, lässt die Kunstmesse keine Wünsche offen. Skulptur von Henry Moore gefällig? Dann bitte mal eben einen Scheck über 27 Millionen Euro ausstellen. Auch Königin Beatrix hat sich in diesem Jahr einen Besuch nicht entgehen lassen.

Der Londoner Kunsthändler Johnny Van Haeften ist einer der wenigen, der die Anfänge der Tefaf (The European Fine Art Fair) noch miterlebt hat. Er gehörte zu jenem kleinen Zirkel von Altmeister-Händlern, der sich Ende der 80er Jahre mit einer örtlichen Antiquitätenmesse zusammenschloss und so die Tefaf begründete. „Wir haben gemeinsam zu Mittag gegessen und beschlossen, dass wir uns zusammentun sollten“, erzählt er.

Zum Image der Europa-Stadt passte es, dass die Tefaf von Anfang an international ausgerichtet war. Damit lag sie im Trend: Im vergangenen Jahr kamen die Besucher aus 55 Ländern. Maastricht entwickelte sich zum Pilgerort der Superreichen, die Kunst zunehmend als Anlagemöglichkeit entdeckten. Im Spitzenjahr 2007 lag der Jahresumsatz bei 48 Milliarden Euro.

Neben klassischer Moderne und alten Meistern ist die asiatische Kunst immer wichtiger geworden. Im vergangenen Jahr hat China die USA sogar als größter Markt für Kunst und Antiquitäten abgelöst. Chinesen kann man indes keinen Heiland am Kreuz verkaufen. Ihr Herz schlägt für Kunst des chinesischen Kaiserreichs. Es geht ihnen um Stücke wie die Jadefigur eines Wasserbüffels, die David Priestley aus London mitgebracht hat.

Aber auch die Amerikaner, 2011 noch krisengeschüttelt und verunsichert, sind zurück in Maastricht. „80 haben sich bei mir schon zum Abendessen angemeldet“, sagt Van Haeften. „Der Abend wird teuer!“ Aber der darauffolgende Vormittag dürfte einträglich werden.

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