Honecker-Enkel: „Ich habe mich nicht erziehen lassen“

Honecker-Enkel: „Ich habe mich nicht erziehen lassen“

Erich Honeckers Enkel zeigt in Berlin surrealistische Bilder.

Berlin. Im schwarzen Kapuzenshirt schiebt er sich durch das Gewusel in der Berliner Galerie Kornfeld und schreibt Autogramme. Roberto Yáñez, Enkel von Ex-DDR-Staatschef Erich Honecker, gibt sich gelassen.

Bei seinem ersten Deutschland-Besuch nach 23 Jahren eröffnet der Künstler die Ausstellung „Metamorphosen“ und liest aus seinem Gedichtband „Frühlingsregen“. Dort kommen Gespenster oder Christus vor.

„Dann wollen wir mal versuchen, Politik und Kunst heute zu trennen“, sagt der stämmige Mann fast schüchtern. Die großformatigen Bilder mit kräftigen Ölfarben und kubistischen Formen heißen „Der giftige Nachmittag“ oder „Das metaphysische Fenster“. Der Surrealismus habe ihm geholfen, klarzukommen, sagt der 39-Jährige. „Das deutsche Denken ist logisch, genau strukturiert. Surrealismus passt da nirgendwo rein.“

Der Maler, Lyriker und Musiker lebt in Chile. Er hatte nach dem Mauerfall mit seiner Familie die Heimatstadt Berlin verlassen. Er ist der Sohn von Honeckers Tochter Sonja. Sie hatte in der DDR den Exil-Chilenen Leo Yáñez Betancourt geheiratet.

Auch Sonjas Mutter Margot Honecker, die frühere langjährige DDR-Ministerin für Volksbildung, reiste nach Chile aus. 1993 folgte Erich Honecker, nachdem das deutsche Strafverfahren gegen ihn wegen seiner schweren Krebserkrankung eingestellt worden war. Er starb 1994.

Seiner Großmutter gehe es gut, sagt Yáñez. Er habe als Enkel einen sehr guten Kontakt zu ihr — aber „Politik und Großmutter halte ich auseinander.“ Er sei ein kritischer Mensch. „Ich habe mich auch nicht erziehen lassen.“

Die Ex-Ministerin verteidigt dagegen bis heute dogmatisch ihre sozialistischen Prinzipien. Mit Blick auf seinen Großvater meint Yáñez: „Er hat sein Leben gehabt und ich bin ein anderer Mensch. Ich bin nicht er.“

Vom politischen Bruch sei er als junger Mann krank geworden, sagt der Künstler. „Ich habe Schaden davongetragen.“ In einem Interview mit der „Zeit“ hatte Yañez 2011 über Alpträume, Depression und Therapien gesprochen.

Er sei nach mehrjähriger Überlegung nach Deutschland gekommen. „Schön, dass Berlin so eine Metropole geworden ist. Gut, dass die Mauer nicht mehr da ist und sich die Menschen frei bewegen können“, sagt Yáñez. Er wolle wiederkommen, aber nicht auf der Vergangenheit herumkauen.

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