Grosz-Schau mit neuen Funden in Brühl

Grosz-Schau mit neuen Funden in Brühl

Brühl (dpa) - Eine George-Grosz-Ausstellung mit neuen Funden ist vom 11. September an in Brühl (NRW) zu sehen.

Fast 100 Aquarelle, Zeichnungen und Collagen aus 50 Schaffensjahren des gesellschaftskritischen Malers (1893-1959), der die Verhältnisse der Weimarer Republik beißend-provokativ darstellte, präsentiert das Max Ernst Museum bis zum 18. Dezember.

Im Zentrum steht die erst vor einem Jahr in Bayern entdeckte, bisher unbekannte Vorstudie zu Grosz' berühmtem Gemälde „Deutschland, ein Wintermärchen“ (1918), das seit 1933 verschollen ist. Ebenfalls gezeigt wird das vor zwei Jahren in Paris aufgetauchte Aquarell „Dämmerung“ (1922), das mehr als 80 Jahre verschollen war.

Alle entdeckten Werke seien echt, betonte der Kurator und Grosz-Nachlassverwalter Ralph Jentsch. Er hat wesentlich zur Aufdeckung des Kunstfälscherskandals um die fingierte „Sammlung Jägers“ beigetragen; in dem Fall müssen sich seit vergangener Woche vier Angeklagte vor dem Kölner Landgericht verantworten. „Es vergeht kaum eine Woche, wo nicht eine Fälschung bei mir auf dem Tisch auftaucht“, sagte Jentsch der Deutschen Presse-Agentur. „Aber das hier ist eine Sensation.“ Grosz habe einen „unverwechselbaren Strich“ mit Feder und Rohrfeder gehabt.

Grosz, Vertreter der Berliner Dada-Bewegung und später der Neuen Sachlichkeit, deckte in seinen satirischen Bildern die Abseitigkeiten und die Doppelmoral der Großstadt zur Zeit der Weimarer Republik auf - fressende fette Spießbürger, Huren, Zuhälter, gierige Fabrikanten. „Es sind keine Karikaturen, es sind Physiognomien“, betont Jentsch. „Wenn man die Gesichter genau ansieht, merkt man, die Typen gibt es alle.“

Nach Heinrich Heines Gedicht benannte der gebürtige Berliner Grosz sein Hauptwerk. In der Mitte des Bildes sitzt der deutsche Spießbürger an einem Tisch, bewaffnet mit Messer und Gabel. Um ihn herum schwankt die Stadt. Im Vordergrund stehen die „Stützen der Gesellschaft“: Pfarrer, General und der Bildungsbürger mit „Göthe“ (sic!) unterm Arm. Über der Szene scheint nicht die Sonne, sondern ein sich entleerender Hintern.

Grosz, der vom Kriegsfreiwilligen zum Kriegsgegner wurde und 1916 aus Protest seinen deutschen Namen Georg Ehrenfried Gross amerikanisierte, emigrierte 1933 in die USA. Die Nazis beschlagnahmten 1937 rund 300 seiner Werke in Museen und verbrannten viele davon. 1959 kehrte Grosz nach Berlin zurück, wo er kurz darauf an Herzversagen starb.