Fotografie: Den Fluss des Fernsehens gestoppt

Fotografie: Den Fluss des Fernsehens gestoppt

Das Museum Kunstpalast zeigt Klaus Mettigs Gesamtwerk.

Düsseldorf. 1978 entschloss sich der Düsseldorfer Fotokünstler Klaus Mettig, Fernsehbilder zu den weltpolitischen Ereignissen aufzunehmen. Er begann mit dem Prager Frühling, mit der Befreiungsfront in Kambodscha, mit Rudi Dutschke und dem US-Präsidenten Ronald Reagan.

"Ich wollte den Fluss des Fernsehens anhalten, wo ein Foto durch das nächste ausgelöscht wird. Die Ereignisse sollten permanent sichtbar sein, so dass man sie jederzeit abrufen kann."

Vier Jahre lang stellte er das Stativ mit der Kamera direkt vor den Monitor und drückte auf den Auslöser, wenn er meinte, die Dokumente der Nachrichtensender seien aussagekräftig.

Nun sind sie im Düsseldorfer Museum Kunstpalast festgefroren, über 2500 Aufnahmen, allesamt Schwarzweiß, Stoß an Stoß ohne Zwischenraum aneinander gereiht.

Das Konzentrat der Weltereignisse im Laufe von vier Jahren. Künstlerköpfe tauchen neben Politgrößen auf, Charly Chaplin oder Joseph Beuys neben Helmut Schmidt oder Margret Thatcher. Die eindrucksvolle Installation auf einer Gesamtlänge von 65 Metern steht im Zentrum der Einzelausstellung des 60-Jährigen.

Inzwischen arbeitet der Autodidakt, der nie eine Fotoschule oder Kunstakademie besucht hat, nicht mehr mit gefundenen Fotos. Er zeigt vielmehr Großfotos mit der eigenen Kamera und einem Rollfilm, so dass gestochen scharfe, in den Farben brillante Aufnahmen entstehen.

Wie einst in den 80er Jahren geht er den gesellschaftlichen und politischen Zeitströmungen nach. 2005 bis 2010 bereiste er Asien und Amerika, hielt sich etwa in Bhutan, Kathmandu, New York und Seoul auf, besuchte die Slums auf den Müllhalden in Delhi und die Hochhäuser in Shanghai.

Der Titel der Serie ("Don’t be left behind") ist einer Reklame auf einer Fassade in Dubai entnommen. Es handelt sich um die Aufforderung der Wirtschaft, nicht hinter dem Zeitgeschehen zurückzubleiben. Das wollte Mettig schlicht zur Debatte stellen.

Ein politischer Künstler wolle er dennoch nicht sein, er liefere "Wahrnehmungsdiagramme". Eine sehr subjektive Chronik der gesellschaftspolitischen Verhältnisse ist es, in spannenden Aufnahmen.