Ettore Sottsass: Design ist mehr als Dekoware

Ettore Sottsass: Design ist mehr als Dekoware

Ettore Sottsass wird als Keramikkünstler entdeckt.

Düsseldorf. Der Österreicher Ettore Sottsass (1917-2007) gilt als Humorist des modernen Designs. Zumindest bezeichnet man ihn als Schöpfer eines neuen Lebensgefühls. Doch seine Objekte sind symbolträchtiger, als man bislang dachte. Darauf macht die Leiterin des Hetjens-Museums, Sally Schöne, in der ersten umfassenden Keramikschau von Sottsass aufmerksam.

In seinem Mailänder Keller blieben drei Kisten jahrzehntelang verschlossen. Die Galeristen wussten davon, aber systematisch untersucht wurden sie erst von seiner Witwe Barbara Radice Sottsass für Düsseldorf. Sie enthalten Objekte der 1960er Jahre, die aus der äußersten Not geboren waren. 1961 erkrankte der Designer so schwer, dass er mit dem Tod rang. Er verarbeitete die existenziellen Ängste 1963 in keramischen Gefäßen.

„Ich habe die Keramik der Finsternis gemacht, weil ich durch die Finsternis hindurchgegangen bin“, heißt eines der vielen Zitate an den Museumswänden. Seine zylindrischen Gefäße sind in dunklen, metallisch glänzenden Glasuren gehalten. Aus ihnen treten sparsam leuchtende Farben, ein kräftiges Hellblau, ein Türkisgrün wie kosmische Gestirne hervor. Seine erste Frau Fernanda Pivano, Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin, hatte ihn auf die geistige Kultur des Ostens aufmerksam gemacht.

Er reiste nach Indien und beschäftigte sich mit dem Hinduismus. Er bewunderte, wie die Inder im Gegenstand mehr als nur Gebrauchsware sahen. 1964 widmete er dem indischen Gott Shiva als Dank für sein Überleben eine Serie flacher Teller mit geheimnisvollen Ritzzeichnungen.

1969 entsteht ein „Altar“ aus 223 senfgelben, abgerundeten Keramikteilen. Übereinandergestapelt, ergeben sie ein tempelartiges Gebilde mit Opfersteinen.

Die Ausstellung zeigt Menhire, wie man sie in heidnischen Kulturen antraf, nicht aus Stein, sondern aus buntem Ton. Die Serie „Kalligraphia“ besteht aus Schriftzeichen, die an eine Runenschrift erinnern, aber mehr Rätsel aufgeben als lösen. Das Design verweist auf spirituelle Bezüge, die man bei Sottsass bislang übersehen hatte.

Den Rundgang beschließen skulpturale Objekte, die die strenge Handschrift des Architekten zeigen. Aber auch sie verweisen letztlich in ihren Treppen und Abstufungen auf Tempelformen.

Info: Hetjens-Museum Düsseldorf, Schulstraße 4, bis 26. Februar 2012, Vernissage am Samstag 15 Uhr.

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