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Ein Neo Rauch für Wuppertal

Ein Neo Rauch für Wuppertal

Der Leipziger gehört zu den begehrtesten zeitgenössischen Malern. Wie kommt ein Werk von ihm in eine so hoch verschuldete Stadt?

Wuppertal. Die Spannung auf dem Gemälde ist fast greifbar. Zwischen Ost und West, zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit oszilliert Neo Rauchs „Roter Junge“ von 1995. Im Wuppertaler Von der Heydt-Museum prangt das neu erworbene Werk bereits in der Ausstellung „Der Himmel auf Erden“. Für einen Betrag „im unteren sechsstelligen Bereich“ erhielt Museumsdirektor Gerhard Finckh am 30. Mai bei der Auktion der Villa Grisebach in Berlin telefonisch den Zuschlag. Wie kommt solch ein Bild nach Wuppertal — eine Stadt, die unter einer Schuldenlast von zwei Milliarden Euro ächzt und die gerade ihr Theater dicht gemacht hat?

Das liegt an einem Zwei-Säulen-Modell, das das Museum von der Stadt abgekoppelt hat und das einzigartig sein dürfte. Vor gut zehn Jahren hat die Stadt dem Museum den Ankauf- und den Ausstellungsetat gestrichen.

Immerhin gab es die Stiftung, die der Museumsmäzen Eduard von der Heydt (1885 — 1964) noch zu Lebzeiten gegründet hatte. Von deren jährlicher Ausschüttung kann Gerhard Finckh Kunst einkaufen — 2013 reicht das Geld für das Rauch-Werk sowie ein kleines Foto des romantischen Malers Hans Thoma. Jeden Kauf muss der Museumsleiter von der achtköpfigen Ankaufs-Kommission, eine Auskoppelung des Kulturausschuss, genehmigen lassen. Offenbar sind Finckhs Vorschläge so überzeugend, dass noch keiner abgelehnt wurde.

Ende 2005 hat der Wuppertaler Unternehmer Eberhard Robke eine Stiftung mit einem Kapital von einer Million Euro gegründet, deren Ausschüttung für den Erwerb moderner Kunst ab 1945 vorgesehen ist. Werke von Tatjana Valsang, Cornelius Völker und Per Kirkeby sind so ins Museum gekommen.

Andere Museen sind an ihre Stadt gebunden (Museum Ludwig in Köln) oder werden als städtischer Eigenbetrieb geführt (Schloss Morsbroich in Leverkusen). Ihre Ausstellungen kommen oft auch durch die Unterstützung der Freundeskreise zustande wie im Kölner Wallraf-Richartz-Museum oder der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf.

In Wuppertal zahlt die Stadt zwar für den Unterhalt des Gebäudes und ein schrumpfendes Personal-Kontingent, im übrigen hat das Museum eine GmbH. In der sind zu gleichen Teilen der Kunst- und Museumsverein sowie die Brennscheidt- und die Jackstädt-Stiftung vertreten — auch dies Gründungen von Wuppertaler Unternehmern.

So muss der überwiegend ehrenamtlich arbeitende Museumsverein mit seinen rund 1500 Mitgliedern nicht Ausstellungen stemmen, die 1,5 Millionen Euro kosten und zum Teil zusätzliches Personal erfordern. Zudem ist die Kontinuität im Geldfluss gesichert. Museumsdirektor Finckh lächelt: „Ich glaube, dass mich einige Kollegen beneiden.“