Ausstellung: Farbduell in aller Freundschaft

Ausstellung: Farbduell in aller Freundschaft

Die Bundeskunsthalle zeigt Einzelwerke und gemeinsame Arbeiten von Warhol, Basquiat und Clemente.

Bonn. Schon im ersten Ausstellungsraum schmunzelt man über diese Spiegelungen: Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat und Francesco Clemente, die zu den einflussreichsten Künstlern der kreativen New Yorker Kunstszene der 1980er Jahre gehörten, porträtieren sich selbst und die anderen. So stellte sich der damals 23-jährige Basquiat (1960 — 1988) als schwarzen Schattenriss ohne individuelle Züge dar, er ist allenfalls an den rasta-ähnlichen Zopf-Zipfeln zu erahnen.

Clemente, damals 31, zeigt den Malerfreund dagegen in einem strahlend hellen Aquarell. Warhol (1928 — 1987) rückt in seiner Siebdruck-Arbeit Basquiats nackten Oberkörper in den Vordergrund. Und der revanchiert sich mit einem Warhol-Porträt, das eine Banane mit grauer Andy-Perücke und braunen Flecken auf der Schale zeigt.

Die Bundeskunsthalle lässt in ihrer 175 Werke umfassenden Ausstellung „Ménage à Trois — Warhol, Basquiat, Clemente“ das künstlerische Dreiecksverhältnis zwischen dem Übervater der Pop Art, längst weltbekannt, aber wegen seiner Popularität auch verachtet, dem Graffiti-Wunderkind und dem poetischen Vertreter der Transavantgarde aufleuchten.

Jedem Künstler sind zwei Räume für seine Einzelwerke gewidmet, oft mit augenzwinkernden Verweisen auf Korrespondenzen. So hängt neben Warhols doppelter Mona Lisa Basquiats Variante mit verschmiertem Mund, mit der dieser dem Ärger über seine Galeristin Boone Luft machte. Hier macht man sich mit der Handschrift des Einzelnen vertraut, die man später in den Kollaborationen wiederfindet.

Die Idee zu den „Collaborations“ hat Warhols Schweizer Galerist Bruno Bischofsberger 1983. Er schlägt den Dreien vor, jeder solle drei Gemälde und eine Zeichnung beginnen. Diese wurden dann nacheinander in die Ateliers der anderen beiden transportiert. So entstanden bis 1985 insgesamt 15 Dreierbilder und mehr als 130 Zweierbilder, die geprägt sind von der Lust am gemeinsamen Werk und zugleich an der eigenen Handschrift. Diese Bilder strotzen bis heute vor Vitalität und bezeugen prächtig den gegenseitigen Einfluss, etwa dass Warhol nach mehr als 20 Jahren wieder beginnt, mit der Hand zu malen — hier einen Hund, da einen Wäschetrockner.

Falls Bischofsberger jedoch ein Geschäft aus seiner Idee machen wollte, so hat sie nicht funktioniert: Die Gemeinschaftsarbeiten erlösen bestenfalls ein Zehntel der Einzelwerke.

Mehr von Westdeutsche Zeitung