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Ausstellung: Als Comics zur Kunst wurden

Ausstellung: Als Comics zur Kunst wurden

Erste Werkschau des Zeichners Winsor McCay in Dortmund.

Dortmund. Winsor McCay, Comic-Autor und Erfinder des Zeichentrickfilms, ist im Museum angekommen. Kurator Alexander Braun hat eine grandiose Ausstellung zusammengetragen, die anhand von 200 originalen Zeichnungen und Zeitungsseiten, Fotografien und Filmen das Werk Winsor McCays (1869-1934) wieder aufleben lässt. Nun ist sie in Dortmund zu sehen.

„Little Nemo in Slumberland“ etwa handelt vom kleinen Nemo, der sich Nacht für Nacht aufmacht, um in Schlummerland allerhand aberwitzige Abenteuer zu erleben. Ein Klassiker des frühen Comics, der einem mitnimmt in eine Welt der Wunder und Visionen. Und der Träume. Die sind schon im ersten Comic, der seit 1904 in der Zeitung „New York Evening Telegram“ erscheint, das Hauptmotiv Winsor McCays.

Die Geschichten sollten vornehmlich ein erwachsenes Publikum ansprechen. Da wachsen Extremitäten ins Groteske, Lebewesen verschwinden, die Welt verändert sich. Geradezu kafkaesk geht es zu, wenn etwa eine Frau ihren Gatten als immer kleiner werdenden Winzling träumt, dem irgendwann ein riesenhaftes Insekt begegnet — bevor er im nächsten Bild mit Rattengift seinem Leben ein Ende setzen will.

Als seine Comics in Zeitungen erschienen, hatte der begnadete Zeichner schon eine Karriere als Illustrator und Plakatmaler hinter sich. Erst in Chicago, dann in Cincinnati malte er fast zehn Jahre lang die Plakate für das Dime Museum, das als Varietébühne, Kuriositätenkabinett und Freak Show überaus populär war.

Das Schausteller-Milieu faszinierte McCay Zeit seines Lebens und findet immer wieder in seinen Bildern Widerhall. „Eigentlich müsste jede Anthologie zum Surrealismus mit Winsor McCay beginnen“, sagt Kurator Alexander Braun überzeugt. Gut 20 Jahre vor der künstlerischen Auseinandersetzung der Surrealisten mit Sigmund Freud hat Winsor McCay die bizarren Wandlungen von Wirklichkeit in den Albträumen seiner Figuren ausgebreitet. Da war das Medium Comic gerade mal zehn Jahre alt.

Die Ausstellung in Dortmund rehabilitiert es nun endlich auch als Kunst. Jedenfalls den großen Winsor McCay, der lange vor Walt Disney auch die Standards des Zeichentrickfilms definierte. Die Dortmunder Ausstellung endet am 12. April.