Auch nach dem Fälscher-Skandal geht die Jagd nach begehrter Kunst weiter

Auch nach dem Fälscher-Skandal geht die Jagd nach begehrter Kunst weiter

Nach dem Fälscher-Skandal sind die Käufer jedoch vorsichtiger geworden.

Düsseldorf. Es war eine Riesenblamage für die Kunstwelt: Jahrelang hat der ehemalige Hippie Wolfgang B. den Markt mit Fälschungen von Avantgarde-Künstlern übers Ohr gehauen.

Im Oktober wurde er in einem spektakulären Prozess vom Landgericht Köln zu sechs Jahren Haft verurteilt. Millionen-Beträge hatten Galerien und Auktionshäuser mit den gefälschten Werken von Max Ernst, Max Pechstein oder Heinrich Campendonk erzielt.

Kunden sind seit dem Kunstfälscher-Skandal misstrauischer geworden, sagen Auktionatoren. Die Häuser müssen mehr Informationen über Werke, Provenienz und Verkäufer liefern.

Nicht nur in Deutschland scheint die Masche, jahrelang vermeintliche Meisterwerke aus einer frei erfundenen Kunstsammlung auf den Markt zu bringen, zu funktionieren. In New York sorgt derzeit eine ähnliche Affäre für Aufregung.

Die ständigen Meldungen über spektakuläre Kunstfälschungen können die Kauflaune der Kunden aber nicht verderben. Immer neue Kunden stiegen ins Kunstgeschäft ein, beobachtet Robert Ketterer, Inhaber des gleichnamigen Auktionshauses in München.

Leute, die früher in Immobilien oder Aktien investiert hätten, legten ihr Geld zunehmend auch in Kunst an. „Das ist ein Riesenmarkt“, sagt Ketterer. Die Fälscheraffäre habe aber auch bewusst gemacht, „wie verletzlich der Markt ist“.

Der Boom auf dem Markt für Klassische Moderne, vor allem aber auch für zeitgenössische Kunst ist ungebrochen. Vor allem Gerhard Richter und die Zero-Kunst der 70er Jahre von Piene, Mack und Uecker sind gefragt.

Erst im Oktober erzielte das Richter-Gemälde einer brennenden Kerze aus den 80er Jahren bei einer Auktion in London fast 12 Millionen Euro — „absurd wie die Bankenkrise“ sei dieser hohe Preis, lautete der Kommentar des Künstlers selbst.

Auch Markus Eisenbeis, Inhaber des Kölner Auktionshauses Van Ham, meint, dass solche Millionenpreise „eigentlich in keinem Verhältnis mehr zu einem Stück Leinwand stehen“.

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