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Amsterdamer Bibelmuseum: Erasmus auf der Leinwand

Amsterdamer Bibelmuseum: Erasmus auf der Leinwand

Sehenswerte Sonderausstellung: Neel Korteweg feiert den großen Humanisten.

Amsterdam. Wer in einem Bibelmuseum das Wort "unsexy" in den Mund nimmt, muss einen guten Grund haben. Neel Korteweg hat ihn: Erasmus ist ihr heilig. Und genau deshalb hat sie den Gelehrten aus dem 15. und 16. Jahrhundert auch in die Gegenwart geholt. Wobei es fast wie eine Entschuldigung klingt: "Jeder, der den Namen Erasmus hört, denkt direkt, es geht um etwas Theologisches", sagt die Künstlerin. "Für die meisten mag die Ausstellung also erst einmal unsexy sein."

Doch wer sieht, mit welchen Werken Korteweg die Räume des Amsterdamer Bibelmuseums füllt, dürfte schnell fasziniert sein. Zumal es um weit mehr geht als um ein Bekenntnis zur Theologie. Denn die Malerin zeigt Porträts, die Erasmus unvergleichlich menschlich zeigen. Sie zeichnet ein ganzes Leben nach.

Vom Kind bis zum Greis: Korteweg beherrt ihr malerisches Handwerk und gibt dem Subjekt ihrer Begierde stets eine ganz persönliche Note. Sie zeigt den herausragenden Vertreter des europäischen Humanismus weltoffen in einem Kimono, aber auch als älteren, gebrechlichen, fast nackten Mann.

Erasmus galt als einflussreicher "Fürst des Humanismus", korrespondierte mit fast allen Herrschern und Päpsten seiner Epoche, wurde bewundert und geachtet. Still, schmächtig und unscheinbar - auch das sind gängige Attribute, mit denen er heute noch charakterisiert wird. Korteweg hingegen feiert ihn in ungewohnten Facetten: "Mein Lieblingsbild ist das Gemälde, das ihn als Studenten zeigt. Er könnte auch eine Frau sein." Androgyn wirkt die Gestalt, die nach vorne blickt und den Betrachter selbst eindringlich zu mustern scheint.

Korteweg hat Erasmus über Jahrzehnte studiert und dem Ganzen einen durchaus brisanten Titel gegeben. "Erasmus of Amsterdam" heißt die Hommage, die bis zum 17. Februar 2014 im Bibelmuseum präsentiert wird. Ob die Rotterdamer diesen Titel gerne lesen, dürfte bezweifelt werden. Schließlich ging der Mann, um den es hier geht, eigentlich als "Erasmus von Rotterdam" in die Geschichte ein.

Doch die Verbindung zum Bibelmuseum ist gegeben, wie Korteweg findet: "Er hätte diesen Ort geliebt." Und wenn die Niederländerin eben das mit glänzenden Augen behauptet, glaubt man ihr aufs Wort. Denn Korteweg hat sich mit dem Theologen, Philosophen und Philologen intensiv auseinandergesetzt, hat seine Bücher gelesen und ist seinen Spuren gefolgt - bis nach Basel, wo er 1536 verstorben ist.

Schuld an der serienweisen Begeisterung ist Kortewegs Vater. Er bat die Tochter, Erasmus zu malen. Doch bei diesem einen Bild ist es nicht geblieben. Mehr als 350-mal hat Neel Korteweg inzwischen die Pinsel gezückt, um Erasmus und seine Vorbilder auf die Leinwand zu bringen. 25 Gemälde können nun im "biblischen Umfeld" bewundert werden. Welches Projekt als nächstes zu erwarten ist? Die Künstlerin sagt es so: "Ich suche nichts aktiv, die Projekte kommen immer zu mir." Auch dieses Prinzip ist ihr heilig.