1. Kultur
  2. Kunst

Akademie-Rundgang: Junge Wilde zeigen ihre Werke von Mittwoch bis Sonntag

Akademie-Rundgang: Junge Wilde zeigen ihre Werke von Mittwoch bis Sonntag

Arbeiten der Studenten geben sich bunt und frech. Regie führen neue Professoren.

Düsseldorf. Die neuen Helden am Eiskellerberg in Düsseldorf, dem Standort der Kunstakademie, sind nicht die Maler, nicht die Fotografen, sondern die Bildhauer. Atemberaubend beim Rundgang, der heute beginnt, sind die Klassen Fritsch und Deacon. Julia Wilczewski lässt ein fantastisches Pferd stürzen und sich aufbäumen. Mercedes Neuß zeigt drei angriffslustige Wölfe auf jeweils nur drei Beinen.

Christine Mehls Don Quichotte (Klasse Vermeiren) wird provisorisch lässig mit Gips übergossen und wirkt doch komisch. Bei Tony Cragg verwandelt Tobias Nink Rigipsplatten in funktionslose, aber geheimnisvolle Türme. Bei Gostner hat Oliver Blumsek eine Voliere für einen Alien gebaut, ein merkwürdiges Tier aus bemaltem Papier. Zu diesem fremden Wesen werden sich heute lebende Tauben gesellen. Sie sollen alles verdrecken, denn die Kunst verkommt zum Leben.

45 000 Gäste werden zur Leistungsschau der Studenten erwartet. Die Gäste können sich auf ein buntes Potpourri aus Installationen, Gemälden, Skulpturen und Fotos freuen. Manche Arbeiten sind erstaunlich frech wie Sarah Müllers Slumhütte mit Geröll und Flaschen, die so düster im Innern ist, wo sie Filme über Marokko zeigt, dass selbst ihr Professor Martin Gostner fürchtet, sie werde den kritischen Blicken des Tüv nicht standhalten.

Dann wieder erscheinen Bildchen so brav und kindlich wie in einem Kindergarten. Wer die Müllberge an Holz, Keilrahmen, Bildern und verunglückten Skulpturen in den Containern betrachtet, die beim Aufräumen der Klassenräume weggeworfen wurden, ahnt, wie schwer der Weg zum Ruhm ist. Nicht jedem Eleven ist es vergönnt, eine eigene Handschrift zu gewinnen. Vor allem in den Malerklassen wird viel Beliebiges produziert.

Die neuen Professoren, die Rektor Tony Cragg ans Haus geholt hat, treiben den Jüngern das genialische Geschmiere aus. Die 34-jährige Professorin Lucy McKenzie fordert Teamwork und Konzentrationsübungen. Einige Studenten erarbeiteten arabische Arabesken und Schriftbänder, andere entwarfen Teppichmuster. Die Professorin zeigt eigene Arabesken über dem Türrahmen und hält wie eine Teppichhändlerin einen Katalog mit Teppichentwürfen (400 bis 800 Euro) zum Verkauf bereit. Das Ergebnis konzentrierten Tuns präsentiert Lena von Gödeke in einem schwarzen Scherenschnitt hinter Glas. Monatelang hat sie mit der Auferstehungs-Szene von Grünewald gerungen, nun ist ihr Jesus Christus ein androgynes Wesen mit Busen und kreisrunder Mandorla, ausgeführt mit einem Skalpell.

Nicht ganz so rigoros geht Eberhard Havekost vor, der berühmte Maler aus Ostdeutschland. Sein Absolvent Alexander Ernst Voigt, der vorher andere Klassen besucht hatte, fand erst jetzt zu sich selbst, goss Acrylfarbe auf die Leinwand und legte mit dem Gummispachtel Furchen. Entstanden ist ein meditatives Bild mit schmalem Landschaftsfries. In der Doig-Klasse malen die Bilderfinder. Christoph Beyer besetzt eine romantische Szene mit Fledermäusen und dreht sie spiralförmig um den kalten Mond.