Kritik: So war das Konzert Thees Uhlmann Konzert in Köln

Konzertkritik : Das Konzert in Köln: Thees Uhlmann und die Euphorie

Im Kölner Palladium sorgt der ehemalige Tomte-Sänger, Thees Uhlmann, für einen besonderen Abend, an dem auch BAP-Kopf Wolfgang Niedecken zum Zug kommt. Nicht der einzige starke Moment.

Am Ende kommt er wieder und wieder. Drei Zugabeteile spielt Thees Uhlmann an diesem Samstagabend im Kölner Palladium. Aber man muss auch nicht sonderlich lange bitten. Es macht ihm ja selbst am meisten Spaß. Das hervorstechendste Merkmal dieser fast zweieinhalb Stunden drei Tage vor Heiligabend und am Ende von Uhlmanns Clubtour, die erst im Frühjahr 2020 weitergeht, ist seine Spiellust. Er zuckt und tanzt. Beides geht ineinander über, vielleicht ist es sogar dasselbe. Er reckt die Faust in die Luft, manchmal auch seine Gitarre, indem er sie am Steg haltend senkrecht nach oben reckt. Er bewegt sie zu den Songs wie einst Johnny Cash: eng an der Brust, breiter Gurt. Und sagt Dinge wie: „Genial.“

Keine Frage: Thees Uhlmann, einst Sänger von Tomte, dann Solist mit eigener Band, Buchautor, Seelenverzweifelter und nach fünfjähriger Pause nun wieder Leadsänger „in der künstlerisch besten Phase meines Lebens“ mit neuem Werk „Junkies und Scientologen“, würde keinen Moment darauf verwenden, schlecht gelaunt zu musizieren. Oder sich das auch nur vorzustellen. Wenn es auch 20 dichte Abende in den vergangenen Wochen waren, wird man Uhlmann nie an sein Pflichtbewusstsein erinnern, doch stets abliefern zu müssen. Es ist ihm schlicht zu eigen. Wie in der Zeile seines Songs „17 Worte“ verarbeitet: „Meine Wahrheit in 17 Worten: Ich hab‘ ein Kind zu erziehen, Dir einen Brief zu schreiben und ein Fußball-Team zu supporten.“

Für Köln hat er sich eine echte Finte ausgedacht: Zum Lied „&Jay-Z singt uns ein Lied“ holt er kurzerhand Wolfgang Niedecken auf die Bühne, den Leadsänger von BAP. In Köln. Ungläubig zückt das Publikum die Handys, filmt diesen unvermittelten Auftritt, fotografiert und hält den Moment fest, den Legende Niedecken als „Ehre“ bezeichnet und Uhlmann beendet, indem er unterwürfig den Kopf an die Brust des Altbarden wirft, als gelte es dem Vater zum Abschied zu danken. Ein zweifellos besonderer Moment eines Konzerts, das Uhlmann mit Hingabe zu etwas Besonderem macht. Immer in der Bereitschaft, alte Tomte-Songs zu singen, was die zahlreichen Uralt-Anhänger würdigen. Einer von ihnen hat 18 der 20 Konzertabende mitgemacht. Treu, immer erste Reihe. Und jetzt mit einem besonderen Ausweis bedacht: „Access all Area auf Lebenszeit.“ Überreicht von Thees Uhlmann in Köln.