Bellinis Oper „I Capuleti e I Montecchi“ als gefühlvolle konzertante Aufführung in Düsseldorf Romeo und Julia: Ein Fest der Stimmen

DÜSSELDORF · Romeo aus dem Hause de Montecchi liebt Julia aus der Veroneser Dynastie der Capuleti. Leidenschaftlich, kompromisslos. Die Nachnamen sind eher bekannt unter „Capulets“ und „Montagues“. Shakespeares tragische Lovestory mit tödlichem Ausgang um das wohl berühmteste Liebespaar der Weltliteratur wurde vor gut 200 Jahren von Vincenzo Bellini in eine Oper verwandelt: voller wunderschöner Melodien zum Mitsummen und blühender Lyrismen.

Begeisterten das Publikum: Maria Kataeva, Adela Zaharia, Andrei Danilov (v.l.) und die Duisburger Philharmoniker.

Begeisterten das Publikum: Maria Kataeva, Adela Zaharia, Andrei Danilov (v.l.) und die Duisburger Philharmoniker.

Foto: Anne Orthen

Dieses Werk zählt zwar zu den Publikums-Lieblingen, wird jedoch selten gespielt.

Meist nur konzertant – wie 2023 bei den Salzburger Festspielen – oder wie jetzt in der Deutschen Oper am Rhein. Das ist nur deshalb möglich, weil zum Ensemble der Rheinoper Solisten gehören, die mittlerweile internationale Karriere machen und auf den großen Bühnen der Welt gefragt sind: die Mezzo-Sopranistin Maria Kataeva (in der Hosenrolle Romeo), die Koloratursopranistin Adela Zaharia (Julia) und der Tenor Andrei Danilo (Tebaldo, Romeos Rivale).

Die drei machten die Premiere im dicht besetzten Düsseldorfer Opernhaus zu einem bejubelten Fest der Stimmen. Ebenso gefeiert wurden Bass Beniamin Pop (Capello) und Bassbariton Zilvinas Miskinis (Pater Lorenzo), die trotz beachtlicher Stimm- und Ausdruckskraft ein bisschen im Schatten der drei Stars stehen. Viel Applaus auch für die Duisburger Philharmoniker, die unter David Crescenzi fein intoniert spielen. Crescenzi führt das Orchester stilsicher durch die frühromantische, schmissige Partitur. Beifall auch für den Opernchor: Sowohl in den leisen, zurückhaltenden Dialogen mit den Protagonisten als auch in den rhythmisch federnden und aufblühenden Forte-Passagen macht es Freude, den Chorsängern zuzuhören.

Aufgebaut vor Notenständern, in Abendrobe, ohne Requisiten, ohne Bühnenbild. Alles und alle konzentrieren sich auf Julia, Romeo und seinen Rivalen Tebaldo. Bei Shakespeare heißt er Tybalt. Er ist gleichzeitig Julias Cousin, der sie am liebsten sofort heiraten würde. Mit wenig Gesten deuten sie die Charaktere an. Verzweiflung, Stolz und Zorn. Liebe, Treue und Hingabe. Aber auch Zurückweisung. Alles wird hörbar, nur durch ihre Stimmen.

Als aufbrausender Tebaldo überzeugt Andrei Danilov. Metallisch und bombensicher zieht der in Russland geborene Tenor die hohen Register, pflegt aber auch, wie die beiden Kolleginnen, den eleganten Belcanto-Stil. So nimmt er sich in lyrischen Passagen zurück, dosiert die Kraft, passt sie geschickt der Gefühlsschwankung an.

Der Star der Rheinoper: Adela Zaharia. Nach Wettbewerbs-Siegen und Engagements an vielen Operntempeln baut sich die sympathische Solistin behutsam das Belcanto-Repertoire auf, das in den Stratosphärentönen Gefahren birgt. Doch nicht für Zaharia. Sie singt ganz auf Linie und besticht durch sicher geführten, kontrollierten hohen Sopran. Selbst in den Spitzennoten klingt sie schlank, lyrisch weich, gleichzeitig voll und ist daher prädestiniert für Primadonnen-Rollen (von Bellini und Donizetti). So macht sie Julias Liebesklagen bis ins Finale zu einem Erlebnis.

In allen Szenen begeistert Maria Kataeva als Romeo (in Hose und weißem Jacken-Mantel): Körperliche und stimmliche Präsenz sind nahezu umwerfend. Mit kontrollierter Kraft schleudert Kataeva Romeos Rufe der Verzweiflung und des Schmerzes über Zurückweisung über die Rampe. Besonders berührend gelingen Kataeva und Zaharia die Duette, die sie kammermusikalisch (wie Violine und Cello) zelebrieren. Liebesschmerz, Liebesleid und Liebestod – wie schon mal im Belcanto – im Galopp oder Dreivierteltakt. Bevor der Jubel ihnen wieder Leben einhaucht.

Aufführungen in Düsseldorf: 20., 31. März, 11. April
in Duisburg: 28. April, 5.Mai.

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