Konzert in Köln: Fleißarbeit der Pixies – ohne Sternchen

Konzert : Konzert in Köln: Fleißarbeit der Pixies – ohne Sternchen

Die legendäre Band aus Boston schrammelt sich in Köln etwas freudlos durchs Werk.

Als einige eine Zugabe fordern, obschon weit über 30 Stücke gespielt sind, blickt Black Francis (54) schlecht gelaunt ins Publikum und macht ein Zeichen, als wolle er den Wüstlingen die Kehle durchschneiden. Dann lacht er kurz, was die erste wirkliche Regung des Pixies-Frontmanns an diesem Abend ist. Und dann deutet er seinen Mitmusizierenden an: In Ordnung, einer geht noch. „Debaser“, der Hit des 1989 erschienenen „Doolittle“ steht am Ende im Kölner Palladium, in dem 3500 (bei 4000 Fassungsvermögen) Zuhörer am Montagabend der Legende der Pixies nachspüren.

Wenn man verstehen will, was die Band aus Boston ausmacht, dann ist man der Antwort in Köln nur unzureichend nachgekommen: Immerhin ist klar, dass das Werk groß ist, echte Perlen wie „Where is my mind“, „Gouge away“, „Hey“ oder „Here comes your man“ umfasst und die dann auch noch in reiner Fleißarbeit nahezu komplett durch den Abend geschrammelt werden von dieser vierköpfigen Band, die bis auf Bassistin Paz Lenchantin so seit mehr als 30 Jahren besteht.

Über diese Fleißarbeit von fast 40 Songs geht es aber nicht hinaus. Dass Francis nicht begrüßt und weder Worte noch Blicke für das Publikum hat, geht als Künstler-Diven-Attitüde durch, aber schmerzhaft ist es dann doch immer wieder ein bisschen. Stattdessen spielen die Vier ihr Werk fast ohne Pause durch, und warum genau sie das tun, das bleibt ein Rätsel. Über 30 Jahre ist es her, dass die Pixies mit „Come on Pilgrim“ und „Surfer Rosa“ Maßstäbe im alternativen Punkrock setzten, große Barden wie Bowie beschrieben ihren Einfluss.

Sie touren seit ihrer Wiedervereinigung 2003 beständiger als andere, womöglich um den legendären Ruhm von einst nochmal veritabel zu versilbern. Aber, was man lassen muss: Das neue Album „Beneath the Eyrie“ hat Qualität, mit viel Folk, dem Black Francis schon als Frank Black in seiner Solokarriere nachstrebte. Aber so lernt man auch mal die durchaus glamouröse Bassstimme des korpulenten Halbglatzenträgers kennen, der gerne ins schrille Fach wechselt. Köln war nach Berlin das zweite von drei Deutschland-Konzerten. Am 15. Oktober spielen die Pixies in München.

Mehr von Westdeutsche Zeitung