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Krefeld: Kaiser-Wilhelm-Museum: Eine Abenteuerreise durch die Kunst

Krefeld : Kaiser-Wilhelm-Museum: Eine Abenteuerreise durch die Kunst

Das Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld öffnet am Samstag nach sechs Jahren wieder. Zu sehen sind 370 Werke aus eigenem Bestand.

Krefeld. Die Kunst ist in ihr Haus zurückgekehrt. Nachdem Besucher am ersten Aprilwochenende das sanierte Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld pur — also völlig leer — besichtigen konnten, kann man es ab Samstag wieder als Haus für die Kunst erleben.

Krefeld: Kaiser-Wilhelm-Museum: Eine Abenteuerreise durch die Kunst

Mit der Eröffnungsausstellung „Das Abenteuer unserer Sammlung I“ ist Direktor Martin Hentschel ein großartiger Auftakt gelungen, mit dem er seine 15-jährige Amtszeit beendet. „Ich gebe meine Abschiedsvorstellung“, sagt er bei der Vorbesichtigung.

Der Titel der Schau, die ausschließlich Werke aus der eigenen Sammlung präsentiert, bezieht sich auf die heterogene Struktur der Sammlung. Als Museum mit Doppelstruktur — für Kunst und Kunstgewerbe — wurde es Ende des 19. Jahrhunderts gegründet.

Vor Hentschel gab es vier Direktoren, die unterschiedliche Akzente setzten. Die entscheidende Zäsur machte Paul Wember, der nach dem 2. Weltkrieg eine hochrangige Sammlung zeitgenössischer Kunst aufbaute. Dass dabei eher kleinteilig gesammelt wurde, zeigt auch die jetzige Schau. Rund 370 Werke wurden aus dem Bestand ausgewählt, darunter sehr bekannte, aber auch lange nicht mehr gezeigte Stücke.

Im großen Saal im ersten Obergeschoss blicken den Besucher mehrere Großporträts von Thomas Ruff aus den 1980er Jahren an. In unmittelbarer Nähe ein frühes Werk von Andreas Gursky, dem wohl berühmtesten Vertreter der Düsseldorfer Becher-Schule. Die frei im Raum platzierten Lichtboxen mit Fototransparenten von Hermann Pitz fügen sich perfekt ein.

Einen auf den ersten Blick spektakulären Kontrast bieten zwei Arbeiten von Kiki Smith, die mit spätmittelalterlicher Kunst zusammengebracht werden. Bei näherer Betrachtung haben sich Smiths Skulptur „Verkündigung“ und die „Anna selbdritt“ über 500 Jahre hinweg doch einiges zu sagen. Auch bei Norbert Prangenberg macht diese Verknüpfung Sinn und so werden einige seiner Bilder ebenfalls mit christlicher Kunst des Mittelalters auf eine Wand gebracht.

Einen Blick in die Anfänge des Museums gibt es im zweiten Obergeschoss. In dem Saal mit den freigelegten Wandgemälden von Johan Thorn Prikker stehen Vitrinen, die Beispiele angewandter Kunst zeigen. Mit Gläsern von Koloman Moser und einem Tafelaufsatz von Josef Hoffmann sind berühmte Vertreter der Wiener Werkstätte zu sehen.

Im Hauptsaal dann die ganze Wucht großer Malerei. Im Zentrum Gerhard Richters quadratisches Farbfeldbild „1024 Farben“ von 1973. Sigmar Polkes „Im Westen nichts Neues, Himmelstoß“ behauptet sich neben der plastischen Bilderwucht eines Fabian Marcaccio, der eines der brutalsten Verbrechen in Amerika, den Lynchmord an einer jungen Afroamerikanerin, drastisch in Szene setzt. Der Besucher bekommt eine Ahnung von der Vielseitigkeit der Sammlung, die laut Hentschel einem Dschungel gleicht. Die Schau führt durch diesen Dschungel.

Wohltuend ist der Verzicht auf vordergründige Inszenierung. So hängen die vier kostbaren geometrischen Kompositionen von Piet Mondrian schlicht an einer Wand. Ihnen gegenüber Bilder und eine Skulptur von Anton Henning, die auf die strenge Symmetrie mit schwungvollen Linien antworten. Der Umgang mit Licht ist in einem kleineren Raum Thema. Hier findet man den berühmten Monet „Das Parlament, Sonnenuntergang“, der sich wie selbstverständlich neben die Werke von Herbert Hamak und Dan Flavin einfügt.

Ein Höhepunkt des Rundgangs sind die beiden Beuys-Räume, die mit ihren sieben Arbeiten ein vom Künstler noch persönlich eingerichtetes Ensemble bilden. Das Hauptwerk, die „Barraque D’Dull Odde“, war während der Sanierung eingehaust, wurde behutsam restauriert und dabei keinen Zentimeter bewegt. Selbst der neue Bodenbelag wurde in mühsamer Kleinarbeit um die Installation herumgelegt.

Wer nach so viel Kunstbetrachtung selbst kreativ werden will, kann dafür das neue Studio 2 nutzen. Museumspädagoge Thomas Janzen hat dort mit der Krefelder Künstlergruppe Sputnik eine begehbare Museumsbox konzipiert, die für alle Altersgruppen vielseitig bespielbar ist.