Hauptsache man ist berühmt — egal weshalb

Hauptsache man ist berühmt — egal weshalb

In Hagen bricht sich in der Schau „Techno hilft“ eine neue Jugend ihre Bahn.

Hagen. Ein Museum wie eine Disko? Kein Problem: „Techno hilft“, dachte sich Tayfun Belgin, Direktor des Osthaus Museums in Hagen, und holte Fabian Chiquet ins Haus. Bei seiner ersten großen Museumsausstellung flutet der junge Multimediakünstler aus der Schweiz die Hallen mit Clubraum-Atmosphäre. Discokugeln werfen Reflexe an die Decke, Beats durchzucken den Raum.

100 Jahre nach Jugendstil und Hagener Impuls bricht sich im ehemaligen Folkwang Museum eine neue Jugend ihre Bahn.

Chiquet surft auf Andy Warhols Pop-Theoremen ebenso wie auf den Ideen von Joseph Beuys und der Fluxusbewegung. Im Medienzeitalter aber, in dem jeder seinen mit dem Handy gedrehten Film auf Youtube zeigen kann, erhält das „Jeder Mensch ist ein Künstler“ eine ganz neue Bedeutung.

Das zeigt am Eingang schon die Fotoserie „Playing The Artist“, auf der Chiquet den posenden Star gibt. Ist er einer? Spielt er ihn nur? Die dilettantischen Gemälde an der Wand, auf denen er in bunten Farben schneidige Slogans wie „You Can’t Beat Love“ zitiert, legen Letzteres nahe.

Chiquet weiß, wie das System funktioniert. Es spielt keine Rolle, was man macht — Hauptsache man ist berühmt. Paris Hilton ist das Paradebeispiel. Die Person wird wichtiger als ihr Können. Selbst das Scheitern dient der Selbstinszenierung, wie in der Rauminstallation „Crisis“, in der Chiquet den Niedergang des Künstlers als schrilles Musikvideo ästhetisiert.

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