Trickfilm "Ice Age 3": Familienplanung in der Urzeit

Trickfilm "Ice Age 3": Familienplanung in der Urzeit

Die Komödie überzeugt mit einer wunderbar schrägen Geschichte, technischen Tricks und einer herausragenden Synchronisation.

Düsseldorf. Spätestens jetzt, mit dem dritten Teil des "Ice Age"-Franchises, wird klar, was die Macher eigentlich bezwecken: Sie singen ein Hohelied auf die Patchworkfamilie. Aus dem unfreiwilligen Trio des ersten Teils ist mittlerweile eine eingeschworene Gemeinschaft geworden, enge emotionale Bindungen wurden geknüpft, Wahlverwandtschaften sind entstanden. Doch, wie so häufig, bringen die tatsächlichen Verwandtschaftsverhältnisse das freundschaftliche Gefüge ins Wanken.

Das Mammutpaar erwartet Nachwuchs, und vor allem Vater Manni zelebriert die Phase froher Erwartung mit übertriebener Fürsorge, das Wohlbefinden seiner Frau Ellie betreffend. Säbelzahntiger Diego gibt dieses harmonische Zweisamkeitsgeplänkel das Gefühl der Unzulänglichkeit, was bei ihm zu einer saftigen Midlife-Crisis führt.

Hat er die letzten Jahre seinen archaischen Jagdinstinkt im Dienste der gewaltlosen Kommune unterdrückt, packt ihn nun der Blutdurst. Ein Gnu soll dran glauben.

In atemberaubender Präzision gelingt es den Digitaltricksern, diese Jagdszenen aus unterschiedlichsten Perspektiven einzufangen. Rein formal ist es wahrscheinlich sogar der perfekteste Moment des gesamten Films, Diegos keuchende Kapitulation mit eingeschlossen, die von der vorlauten Antilope mit ätzender Schadenfreude bedacht wird.

Faultier Sid kanalisiert die Enttäuschung, plötzlich außen vor zu sein, etwas anders. In einer Höhle, tief unter dem Eis, findet er drei monströse Eier, die spontan Vater-, oder um genau zu sein wohl eher Muttergefühle in ihm wecken. Er verfrachtet die Brut an die eisige Oberfläche, wo sich das Gelege als Dinosaurier-Nachwuchs entpuppt.

Moment! Waren die Urzeitreptilien zu Zeiten, als der Planet vom ewigen Eis beherrscht wurde, nicht längst ausgestorben? Mitnichten. In "Ice Age 3" prallt zeitlos aufeinander, was gemeinhin als prähistorisch gilt. Wirkt diese Idee zu Beginn noch etwas ungelenk, nimmt die Geschichte an Fahrt auf, als die erboste Dino-Mutter ihre Kinder zurückholt und Sid mit in das unterirdische Reich verschleppt.

Das Paradoxon nimmt man dann schon nicht mehr wahr, weil der Film mit einer wunderbar schrägen Story aufwartet, die von subversivem Witz und perfektem Timing getragen wird.

Als die Gefährten feststellen, dass Sid verschwunden ist, machen sie sich auf die Suche. Geholfen wird ihnen bei dieser Odyssee von einem Wiesel, Buck mit Namen, tatkräftig und abenteuerlustig, aber beileibe nicht ganz bei Verstand.

"Ice Age 3" ist der bislang beste Film der Reihe, weil er sich auf die Stärken seiner Figuren verlässt und trotzdem eine neue, sehr unterhaltsame Geschichte erzählt. Die deutsche Version gewinnt durch herausragende Synchronarbeit, die Otto Waalkes dem glück- und hirnlosen Faultier angedeihen lässt. Und, wie eh und je, jagt auch Eichhörnchen Scrat wieder nach der unerreichbaren Eichel. Diesmal kämpft er dabei nicht nur gegen witterungsbedingte Widrigkeiten, sondern sieht sich, in Form einer verführerischen Artgenossin, echter Konkurrenz gegenüber. Wertung: nnnnn

Mehr von Westdeutsche Zeitung