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Stummfilm räumt bei Globes ab

Stummfilm räumt bei Globes ab

Der Stummfilm „The Artist“ und George Clooneys „The Descendants“ schälen sich als Oscar-Favoriten heraus.

Los Angeles. Natürlich — ein Hund hat den Zweibeinern mal wieder die Show gestohlen. Uggie, der Jack-Russel-Terrier aus dem französischen Film „The Artist“ (deutscher Kinostart: 26. Februar), wurde bei den Golden Globes auf der Bühne fürs Männchenmachen bejubelt und gilt als Hollywoods neuer Topdog. Doch auch für seine menschlichen Begleiter wie den französischen Regisseur Michel Hazanavicius fiel beim zweitwichtigsten US-Filmpreis genug Beifall ab.

Mit sechs Nominierungen war die Hommage an die Stummfilm-Ära in Hollywood als Favorit ins Rennen um die „Goldene Weltkugel“ gegangen. Am Ende tönte drei Mal ein lautes Merci von der Bühne. Hauptdarsteller Jean Dujardin, der in dem Schwarz-Weiß-Film fast kein Wort sagt, sprudelte in seiner Danksagung förmlich über.

Nach seinem Globe-Gewinn gilt es als so gut wie sicher, dass der in den USA bisher unbekannte Franzose am 26. Februar auch bei den Oscars mitmischt. Dort dürfte er mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder auf Hollywood-Star George Clooney treffen. Ihre beiden Filme gelten als Topfavoriten, obwohl die Nominierungen für den Oscar erst am 24. Januar bekanntgegeben werden.

Clooney konnte bei der 69. Preisverleihung des Verbandes der Auslandspresse das Siegerlächeln als bester Drama-Darsteller schon mal üben. In dem auf Hawaii spielenden Familiendrama „The Descendants — Familie und andere Angelegenheiten“ (deutscher Kinostart: 26. Februar) macht er als überforderter Vater in kitschigen Hawaii-Hemden keine sexy Figur, aber gerade das war den Juroren noch eine zweite Ehrung wert. Die Mischung aus Humor und Tragik von Regisseur Alexander Payne holte auch den Hauptpreis als bestes Drama.

Meryl Streep sahnte mit ihrer Rolle als Margaret Thatcher in „Die eiserne Lady“ ihre achte Globe-Trophäe ab (deutscher Kinostart: 1. März). Zuletzt hatte sie die Kugel 2010 für „Julia & Julia“ gewonnen. 26 Mal war sie insgesamt schon nominiert, doch zur Routine ist die Veranstaltung für die Schauspielerin nicht geworden. Streep hatte ihre Brille am Platz vergessen und musste ihre Dankesrede aus dem Gedächtnis vortragen. Das ging nicht ohne fluchen, was die TV-Regie mit einem Piepston überdeckte.

Der für seinen bissigen Humor bekannte britische Komiker Ricky Gervais teilte als Moderator unter anderem einen Seitenhieb an den deutschen Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck aus, der für seinen Flop-Film „The Tourist“ schon 2011 Zielscheibe gewesen war. Gervais bedrängte „Tourist“-Hauptdarsteller Johnny Depp mit der Frage, ob der den Film mittlerweile gesehen habe. Depp verneinte, das Publikum lachte.

Martin Scorsese holte mit dem aufwendigen 3D-Film „Hugo Cabret“ seinen dritten Regie-Globe. Steven Spielberg siegte mit „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ in der Sparte Animation — ebenfalls sein dritter Globe. Woody Allen wurde mit „Midnight in Paris“ für das beste Drehbuch gekürt und holte den Preis auch diesmal nicht persönlich ab.

Popstar Madonna verschlug es glatt die Sprache, als sie für das Lied „Masterpiece“ aus ihrem Film „W.E.“ den Globe für den besten Song in Empfang nahm. Die Sängerin, die bei der Liebesgeschichte auch Regie führte, druckste eine Weile herum — und musste mit Blick auf die französischen Preisträger und ihr teilweise unsicheres Englisch zugeben: „Ich bin nicht aus Frankreich, ich habe keine Ausrede.“