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Sandra Nettelbeck: Der Film nach „Bella Martha“

Sandra Nettelbeck: Der Film nach „Bella Martha“

Die deutsche Regisseurin Sandra Nettelbeck dreht mit US-Star Ashley Judd in Vancouver den Liebesfilm „Helen“.

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p class="text"><strong>Vancouver. "Ich möchte den Crêpe mit Sauerrahm und Toast - glauben Sie mir, die Küche weiß Bescheid!" Eine freundliche, aber klare Anweisung an die etwas zickige Kellnerin im Frühstücksaal eines der besten Hotels von Vancouver macht sofort deutlich: Hier weiß jemand nicht nur in der Küche, wo es lang geht. Sandra Nettelbeck, die Regisseurin des erfolgreichen Köchinnen-Films "Bella Martha", dreht gerade ihren nächsten Kinofilm "Helen". Und alle Partner - von dem kanadischen Produzenten bis zur Filmstiftung NRW - überzeugte sie von ihrer Geschichte, in der Hollywood-Star Ashley Judd eine depressive Musikprofessorin spielt. Tatsächlich sind die sieben Minuten mit Ausschnitten, die zum "Bergfest" - der Halbzeit vom Dreh - zusammengestellt wurden, erschütternd und so ganz anders, als man sich einen "Depressionsfilm" vorstellt. Helle Zimmer in einer exquisiten Wohnung, weite Buchten an der Pazifikküste, Strände, Berge, Wälder. "Helen" führt die Attraktivität von Vancouver als nördliche Außenstelle für Hollywood-Serien und als umsatzstärkste Studio-Stadt Kanadas vor. In diesem idealen Setting hat die erfolgreiche Figur Helen von außen gesehen alles Wünschenswerte. Und doch führt sie die Begegnung mit einer Schülerin zurück in unerträgliche Abgründe.

Zuerst war Gillian Anderson für die Rolle der Helen gebucht, erzählt die deutsch-englische Produzentin Judy Tossell (Egoli Tossell Film). Doch die Dreharbeiten am neuen "Akte X"-Film - ebenfalls in Vancouver - machten den Einsatz von "Scully" unsicher. So kam es zu der mehr als glücklichen Kombination von Ashley Judd und "Helen".

Über Umwege erhielt die bekannte Darstellerin ("De-Lovely", "Doppelmord", "Kiss the Girls") das Drehbuch, erfuhr, dass die Rolle schon vergeben war und traf sich trotzdem mit Sandra Nettelbeck in Los Angeles. Als Anderson nicht mehr zur Verfügung stand, dauerte es nur drei Wochen, bis Judd im Team war. Im Interview erzählt sie, wie wichtig ihr "Helen" ist. Schon vorher sprach sie offen über ihre Depressionen und die Behandlung, die sie 2006 aufnahm.

Das tiefe persönliche Interesse am Thema verbindet sie mit Nettelbeck, deren beste Freundin sich 1995 nach einer langen psychischen Krankheit umbrachte. Wie ihre Filme kontrolliert die junge Regisseurin auch das Gespräch, wechselt mit einem Lachen zu all den anderen Aspekten von "Helen", der ja auch eine Familien-, eine Liebesgeschichte sei. Und das ganz klar auf der Mainstream-Schiene, wie sie freiheraus bekennt.

Auf dieser Ebene braucht man sich dann um "Helen" auch keine Sorgen zu machen, denn "Bella Martha" war trotz aller Unkenrufe (und dank des Vertrauens der Filmstiftung NRW) schließlich so erfolgreich, dass sogar ein US-Remake namens "No Reservations" mit Catherine Zeta-Jones anstelle von Martina Gedeck exakt die gleichen Zutaten aufwärmte.

Bei ihrem englischsprachigen Debüt hat die 1966 in Hamburg geborene Regisseurin den Rückhalt ihres vertrauten Kameramannes Michael Bertl. Zusammen entwickelten sie das überraschende Farbkonzept, in dem ein gleißend heller und leerer Raum zentral steht. Denn innere Leere sei eher Helligkeit, meint Nettelbeck.

Vita Sandra Nettelbeck wurde 1966 in Hamburg geboren. Sie studierte Film in San Francisco und arbeitete als Redakteurin für Filmmagazine.

Filme Für die Komödie "Mammamia" (1996) bekam sie den Max-Ophüls-Preis. Der Durchbruch gelang ihr mit "Bella Martha" (2001), dem mit "Sergeant Pepper" (2004) ein Kinderfilm folgte.