Samuel Finzi: Egozentriker gibt es viele“

Samuel Finzi: Egozentriker gibt es viele“

Samuel Finzi über seine Rolle in „Kokowääh 2“ , die Kritik an Regisseur Til Schweiger und Patchwork-Familien.

Berlin. Im ersten „Kokowääh“-Film spielte Samuel Finzi (47) 2011 den Zahnarzt Tristan, der erfährt, dass seine Tochter Magdalena (Til Schweigers jüngste Tochter Emma, 10) gar nicht von ihm ist. In „Kokowääh 2“ verliert Tristan Geld und Praxis und zieht beim leiblichen Vater von Magdalena ein — Drehbuchautor Henry (Til Schweiger). Der hat eigentlich genug Stress mit dem Baby, das er mit Katharina (Jasmin Gerat) bekommen hat, besonders nachdem sie ausgezogen ist. Außerdem hat er einen exzentrischen Filmstar am Hals (Matthias Schweighöfer als Matthias Schweighöfer).

Herr Finzi, Sie kommen vom Theater. Sind Sie mit der Zeit offener für leichte Stoffe geworden?

Samuel Finzi: Ja, das kann man sagen. Man kapiert irgendwann, dass in diesem Medium Raum für alles ist. In Deutschland unterteilt man ja so gern in „E“ wie Ernst und „U“ wie Unterhaltung. Ich als Schauspieler stecke in einen Unterhaltungsfilm letztendlich nicht weniger Energie.

Til Schweigers Filme spalten Publikum und Kritik seit Jahren. Wo sehen Sie die Ursachen für diese Polarisierung?

Finzi: Ich verstehe nicht, warum die Filmkritiker so scharf darauf sind, diese Filme auseinanderzunehmen. Es ist klar, dass Til Schweiger kein Arthauskino macht. Deshalb kann man auch dessen Kriterien nicht anwenden. Ich unterstütze ihn mit meiner Arbeit, mit dem, was ich kann. Und ich freue mich natürlich auch weiterhin über jedes Low Budget- oder No Budget-Projekt mit einer schönen Idee. Kritik nehme ich nur ernst, wenn sie konstruktiv ist.

Verstehen Sie Schweigers Strategie, nur wohlmeinende Journalisten einzuladen und auf Pressevorführungen zu verzichten?

Finzi: Das kann ich gut verstehen. Seine Filme werden sowieso fertiggemacht. Warum soll er sich also die Laune verderben? Seine Filme finden ihr Publikum, sie laufen sehr gut. In der Filmgeschichte findet man wahnsinnig viele Beispiele für Filme, die von den Kritikern heruntergerissen wurden und trotzdem Zuschauermillionen hatten.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Ihren ganz jungen Kollegen erlebt?

Finzi: Die Zusammenarbeit mit Emma war ja nichts Neues für mich. Sie ist natürlich gewachsen, aber nach wie vor ist sie dasselbe disziplinierte und konzentrierte Mädchen am Set. Ich fand auch ihren Partner Nico Liersch ganz toll.

Im Mittelpunkt des Filmes steht eine Patchwork-Familie. Die gehören in Deutschland mittlerweile zur Normalität. Begrüßen Sie das, oder trauern Sie dem herkömmlichen Familienmodell hinterher?

Finzi: Ich bevorzuge weder das eine noch das andere Modell. Hauptsache, die Leute lieben sich und kommen irgendwie miteinander zurecht. Alles ist möglich, solange die Menschen gut zueinander sind und es den Kindern, wenn welche da sind, gut geht.

Kennen Sie solche egozentrischen Typen aus dem Filmgeschäft, wie sie Matthias Schweighöfer spielt?

Finzi: Oh ja, diese Sorte Mensch ist weit verbreitet. Es ist ja nicht unbedingt schlimm, ein bisschen Eitelkeit gehört doch dazu. Natürlich wird es lustig, wenn man es übertreibt und sich selbst viel zu ernst nimmt. Genauso eine Figur verkörpert Schweighöfer.

Welche unterschiedlichen Bedürfnisse befriedigen Theater, TV und Kino für Sie als Künstler?

Finzi: Lassen Sie es mich so sagen: Nach einem langen Drehtag bin ich sofort bereit, auf die Bühne zu gehen, um die Energie loszuwerden, die sich tagsüber aufgestaut hat. Es ist eine ganz andere Form der Konzentration. Die Bühne brauche ich körperlich für meine geistige Hygiene. Auf der Bühne muss man sofort alles entscheiden, es entsteht eine Einmaligkeit. Dieser Moment der Vergänglichkeit interessiert mich. Im Film wird etwas aufgenommen, irgendwo festgehalten. Im Theater entsteht etwas im Moment, und dann ist es weg für immer.

Bleibt die Frage nach der Identität: Fühlen Sie sich als Bulgare, als Deutscher, als Europäer, als Weltbürger?

Finzi: Ich fühle mich zuallererst als Mensch. Mit Begriffen wie einer nationalen Identität arbeite ich nicht, das hat mich nie interessiert. Ich stehe zu den Menschen, mit denen ich lebe. Ansonsten bin ich wohl Europäer, denn ich lebe in Europa. Würde ich in Amerika leben, wäre ich eben Amerikaner. (lacht)

Mehr von Westdeutsche Zeitung