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Prometheus: Wo der Mensch herkommt

Prometheus: Wo der Mensch herkommt

US-Regisseur Ridley Scott kehrt nach 30 Jahren ins All zurück: In „Prometheus“ zieht er alle Register.

Düsseldorf. Mit „Prometheus“ kehrt Regisseur Ridley Scott zurück auf das Terrain des Science-Fiction-Filmes, auf dem er mit „Alien“ (1979) und „Blade Runner“ (1982) Filmgeschichte geschrieben hat. Ursprünglich war „Prometheus“ als Prequel zu „Alien“ angedacht, steht aber nun auf eigenen Füßen, auch wenn es zahlreiche Anspielungen auf Ellen Ripley und ihre Crew gibt. Im Zentrum steht auch hier eine kraftvolle Frauenfigur und wer die schwedische Schauspielerin Noomi Repace in den „Millennium“-Filmen gesehen hat, weiß, dass es keine würdigere Nachfolgerin für Sigourney Weaver im Weltraum geben kann.

Aber zuerst beginnt alles tief in der Erde. In einer Höhle auf der Isle of Sky findet die Archäologin Elizabeth Shaw (Noomi Repace) ) mit ihrem Lebensgefährten Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) eine Höhlenmalerei, die ihre langjährigen Forschungen bestätigt: Der schöpferische Ursprung der Menschheit ist außerirdischer Natur.

Jahre später ist ein Raumschiff mit den Archäologen und einer Crew von ausgewählten Wissenschaftlern unterwegs zu dem erdähnlichen Planeten, auf dem die Spezies vermutet wird, die den Menschen erschaffen hat.

Mit an Bord ist der zwielichtige Android David (hervorragend: Michael Fassbender), der während der langen Reise den Schlaf der menschlichen Kollegen überwacht, sowie die Geschäftsführerin der milliardenteuren Expedition, Meredith Vickers (Charlize Theron).

Auf dem fremden Planeten entdecken die Forscher ein von außen unscheinbares Areal, das sich von innen als eine Art Tempel mit weit verzweigtem Gang- und Höhlensystem entpupt. Zunächst erscheint es so, als seien die humanoiden Schöpfer allesamt vor langer Zeit im Kampf getötet worden. Aber dann zeigt sich, dass in dem unterirdischen Bauwerk noch Leben herrscht — und diese Wesen sind den Menschen nicht wohlgesonnen.

Nicht weniger als die Frage nach dem Ursprung der Menschheit hebt Scott in „Prometheus“ aufs Tablett. In den Figuren spiegeln sich die unterschiedlichen Ansätze zur Erklärung der irdischen Existenz. Elizabeth trägt ein Kreuz um den Hals und glaubt fest an einen schöpferischen Akt, während Charlie auch im Angesicht ihrer Forschungen am Darwinismus festhält.

Dass die Reise zum Ursprung der Existenz jedoch zum Alptraum wird und diejenigen, die die Menschen erschaffen haben, sie auch wieder vernichten wollen, führt zu einer Schlacht zwischen Erzeugern und Erzeugten, bei der sich Sigmund Freud die Hände reiben würde.

Die schlagkräftige Heldin zieht hier ihre Kraft immerhin aus der eigenen Weiblichkeit und nicht wie sonst üblich aus der Nachahmung männlicher Kampfmuster. Und Repace beweist, dass sie problemlos eine Hollywood-Produktion auf ihren Schultern tragen kann.

In „Prometheus“ bleibt Scott wieder seiner Mischung aus Science-Fiction und Horror treu. Zahlreiche glitschige Kreaturen sorgen für die nicht immer appetitliche Dezimierung der Crew und das weit verzweigte, spärlich ausgeleuchtete Höhlensystem, das an ein Pharaonengrab erinnert, bietet genug Raum für böse Überraschungen.

Scott entwirft ein rundum düsteres, aber in sich stimmiges Szenario, das weniger auf glitzernde High-Tech-Spielereien als auf ein erdiges und organisches Design baut, in das die 3D-Effekte pointiert eingearbeitet werden. Das alles summiert sich zu einem sehenswerten Stück Genreunterhaltung, das allerdings an den filmhistorischen Rang von „Alien“ oder „Blade Runner“ nicht heranreicht.