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Korrupte Deals und viel, viel Kölsch: „König von Köln“

ARD-Film : Korrupte Deals und viel, viel Kölsch: „König von Köln“

Geklüngelt wird überall, aber in Köln besonders viel? Mit dem „König von Köln“ widmet sich das Erste in einer fiktiven Satire einem realen Skandal.

Ganz nüchtern, vor grauer Wand, spricht der Protagonist Josef Asch ein paar Sätze in die Kamera. Doch diese Nüchternheit geht schnell vorüber - das Kölsch lässt nicht lange auf sich warten. Schon nach wenigen Sekunden erklingt ein Karnevalslied, das erste von vielen im „König von Köln“ (Mittwoch, 20.15 Uhr, Das Erste). Es ist eine Satire, in deren korruptem Wirrwarr eigentlich niemand so richtig zum Sympathieträger taugt.

Schon gar nicht Alfred von Hoppenheim (Ernst Stötzner): Der schwerreiche und stadtbekannte Unternehmer muss sich von einer jungen Staatsanwältin am frühen Morgen aus seinem Haus scheuchen lassen. Diese vermutet, seine Geschäfte gingen nicht mit rechten Dingen zu und will sein Anwesen durchsuchen lassen. Verdattert lehnt sich der grauhaarige Herr im Bademantel an einen Streifenwagen. „Sie können wirklich noch nicht lange in der Stadt sein“, empört er sich. Wer ihn kenne, und das tue ja hier wohl jeder, würde so nicht mit ihm umgehen.

Jeder kennt jeden - und einer hat bei allen noch einen Gefallen gut: Asch (Rainer Bock), der „König von Köln“, treibt den berüchtigten „Kölschen Klüngel“ auf die Spitze. Durchtrieben lässt er Ermittler, Unternehmer und Stadtverwaltung nach seiner Pfeife tanzen. Junge Zugezogene, noch dazu in der Hoffnung, eine ehrliche Karriere zu beginnen, haben keine Chance im eingeschworenen Altmänner-Geflecht. „Klüngel bedeutet Korruption“, sagt Ralf Husmann („Stromberg“), der Autor des gleichnamigen Buches über die Handlung. „Auf Kölsch klingt's gleich niedlicher, aber Lungenkrebs wird auch nicht weniger gefährlich, wenn man ihn "Hüsterchen" nennt.“

Die ARD-Produktion von Regisseur Richard Huber macht keinen Hehl daraus, auf welchen realen Skandal sie anspielt: Nicht nur die Kaufhaus-Erbin Valerie Dickeschanz und der Unternehmer Tom Middeldorf tragen im Film Namen, die jenen der Beteiligten aus realen Geschehnissen rund um die deutsche Kaufhaus-Kette Karstadt-Quelle fast aufdringlich ähneln. In dem langwierigen Gerichtsprozess ging es nicht nur um einen der spektakulärsten Firmenzusammenbrüche der Nachkriegszeit, sondern auch um Untreue und Steuerhinterziehung des Konzern-Chefs.

Für die Millionenstadt am Rhein ist der Film „König von Köln“ Liebeserklärung und Spottgesang zugleich. Kaum ein Köln-Klischee, das ausgelassen wird. Ob Karnevals-Besessenheit, frivole Dienstausflüge ins Riesen-Bordell oder den obligatorischen Seitenhieb nach Düsseldorf.

Der aus dem Ruhrgebiet stammende Schauspieler Joachim Król, bis 2013 auch „Tatort“-Kommissar, habe sich für seine Rolle als Bauamtsleiter „akribisch reingefuchst“ in die Tiefen des kölschen Dialekts, wie Husmann erzählt. Und noch ein Gesicht kennt man vor allem aus dem Sonntagabend-Krimi: Jörg Hartmann, dem „Tatort“-Zuschauer vor allem als teamunfähiger, zum Wutausbruch neigender Dortmund-Kommissar bekannt, mimt hier den schmierigen, eiskalten, mit Business-Vokabeln um sich werfenden Investor Middeldorf. Er lässt sich in der Schubkarre durch Pfützen kutschieren, um seine italienischen Lederschuhe nicht zu versauen. Bei der Gestaltung seiner Charaktere lässt Huber als Regisseur wenig Raum für Interpretationen: Die Kölner Männerelite ist gierig und korrupt, die reiche Erbin blauäugig und kunstverliebt, die zugezogene Staatsanwältin karrierebewusst und unbestechlich, der junge Italiener tatkräftig und warmherzig.

Bei allen Schenkelklopfern zieht der Film jedoch ein Fazit, das nicht nur auf die reale Inspirationsquelle zutrifft, sondern auch auf viele andere Skandale unserer Zeit, ob Cum-Ex oder Diesel: „Für die enormen entstandenen Schäden kommt wie immer der Steuerzahler auf. In Köln und überall.“ Aber in Köln bleibe immerhin der Karneval.

(dpa)