Joachim Król in „Ausgerechnet Sibirien“: Magisches in Russland

Joachim Król in „Ausgerechnet Sibirien“: Magisches in Russland

Düsseldorf. Schauspieler Joachim Król spricht im Interview über die Dreharbeiten zur neuen Komödie „Ausgerechnet Sibirien“.

Herr Król, in Ihrem neuen Film wird ein Modeversand-Mitarbeiter aus Leverkusen von seinem Chef nach Sibirien geschickt. Dort staunt er über vieles, was er erlebt. Ging es Ihnen mit der Dreherfahrung in Russland ähnlich?

Król: Das ist genau so. Gewisse Sachen, die dem Matthias Bleuel passiert sind, sind uns als Team oder einzeln auch passiert. Etwa, dass man plötzlich in einem Provinzflughafen steht und kein Mensch spricht englisch. Ich hätte nie erwartet, dass es so etwas gibt. Oder die unfassbar bizarren „Serviceleistungen“ in der russischen Gastronomie, die wir kennengelernt haben. Da braucht man gar nicht viel zu spielen.

Aus eigener Kraft heraus hätte Bleuel sich wahrscheinlich keinen Tritt gegeben — raus aus Leverkusen und aus seinem unglücklichen Leben.

Król: Vermutlich nicht. Die Geschichte ist natürlich romantisch und überhöht geschrieben. Trotzdem glaube ich, dass das jedem von uns im Leben passieren kann. Ein kluger Mann hat mal gesagt: Es gibt sowieso nur zwei Filmthemen, entweder „boy meets girl“ oder „Hans im Glück“. Und wenn man beides zusammenbekommt, hat man eine schöne Geschichte.

Er verliebt sich in eine russische Sängerin, das hätte er sich in Leverkusen vermutlich nicht getraut.

Król: Ja, er wird ja ins Wasser geschmissen, und er ist zum Glück offen für den magischen Moment, wo ihm das Leben eine zweite, dritte, vierte Chance gibt. Er ist ja nicht mehr der Jüngste, er ist zu Hause unglücklich, seine Ehe ist ihm um die Ohren geflogen. Dann hört er diesen Gesang. Unsere Sängerin ist eine Vertreterin der Schoren, das ist ein kleines Volk in Nordsibirien. Und es ist Liebe auf den ersten Ton.

Sie haben oft mit Erstlingsregisseuren gearbeitet, jetzt hatten Sie es mit zwei Debütproduzentinnen zu tun. Was reizt Sie an Debütprojekten?

Król: Ich mag die Atmosphäre, die dann herrscht, dieses Fieber, diese Leidenschaft. Ich musste bei den Dreharbeiten oft schmunzeln, weil mich vieles an meine früheren Filme „Zugvögel“, „Die Tödliche Maria“, „Wir können auch anders“ erinnert hat. Das waren ja damals für uns alle Investitionen in die Zukunft. Für kleines Geld haben wir uns wochenlang in den Tiefen der ostdeutschen Provinz oder in Nordfinnland herumgetrieben. Und das ist jetzt wieder passiert. Ich bin gespannt, wie die Leute das annehmen.

Sowohl Matthias Bleuel in „Ausgerechnet Sibirien“ als auch der hessische „Tatort“-Kommissar Frank Steier sind zwei Figuren, die Ihre Handschrift tragen und die Ihnen sehr gut stehen. Haben Sie auch das Gefühl, dass es stimmig ist, was Sie gerade machen?

Król: 2011 war ein ganz reiches Jahr. Wenn jetzt hier Matthias Bleuel sitzen würde und die Tür ginge auf und Frank Steier käme herein, das wären schon zwei herzlich verschiedene Vögel. Und so macht mir der Beruf eigentlich Spaß. Dann hatte ich noch das große Vergnügen, mit einer tollen Theatertruppe in Berlin in „Der Kirschgarten“ den Gutsverwalter Jepichodow zu spielen, wo ich auch noch mal das Komödi-anten-Segment bedienen konnte. Also das war großes Kino, Fernsehen auf höchstem Niveau und dann noch „zur Erholung“ Theater spielen — das war klasse. Das gelingt einem nicht sehr oft.

Knapp 10 Millionen Zuschauer sehen Sie sonntags im „Tatort“ — wirkt sich das auf Ihren Alltag aus, oder können Sie noch durch Köln gehen wie vor dieser Rolle?

Król: Ja. Was die öffentliche Wahrnehmung angeht, gab es immer solche Sprünge. Das fing damals mit „Der bewegte Mann“ an und ging mit der Fernsehpräsenz ab Brunetti, Lutter weiter. Aber ich lebe in Köln, und dem Kölner ist das recht wurscht, ob man ein Medienkopf ist oder nicht. Der Kölner ist sich erst mal selber prominent. Darum lebe ich auch gerne dort. Aber es gelingt mir immer noch, mich unsichtbar zu machen, wenn ich das will.

Til Schweiger wird auch bald einen „Tatort“-Ermittler spielen. Er möchte den traditionellen „Tatort“-Vorspann abschaffen. Was sagen Sie dazu?

Król: Die Vorspann-Debatte kommentiere ich nicht. Ich habe nur das Gefühl, dass das am Ende gar kein Tatort wird, sondern eine Til-Schweiger-Reihe oder so.