Interview: „Ich hatte schon oft den Blues“

Interview: „Ich hatte schon oft den Blues“

Jeff Bridges über seine Rolle als kaputter Country-Sänger, seine Familie und den legendären Film „The Big Lebowski“.

London. Ein abgetakelter Countrysänger tingelt durch Provinzkaschemmen und versäuft jede Chance auf Glück. Jeff Bridges, der kultige "Dude" aus "The Big Lebowski", brilliert in diesem Porträt eines Versagers. Für seine großartige Leistung gilt der 60-Jährige als Oscar-Favorit.

Jeff Bridges: Ja, eine sehr wichtige sogar. Als Jugendlicher habe ich davon geträumt, Musiker zu werden. Ich spiele Klavier und Gitarre, schreibe eigene Songs und habe vor ein paar Jahren auch ein Album veröffentlicht.

Bridges: Man hat immer die Hoffnung, immer hohe Erwartungen, wenn man einen Film macht. Bei "Crazy Heart" wurden allerdings sämtliche Erwartungen übertroffen.

Bridges: Sehr. Ich finde die Situation geradezu furchteinflößend!

Bridges: Sie meinen den Blues? Natürlich hatte ich schon einige Male den Blues, und das Gefühl, dass alles ganz schrecklich ist.

Bridges: Mit Hilfe meiner Frau und meiner drei Töchter. Im Gegensatz zu meiner Filmfigur habe ich ein tolles soziales Netzwerk, das mich unterstützt. Auch meine Eltern haben mich sehr unterstützt, als sie noch gelebt haben. Künstler verfangen sich oft in diesem Mythos des leidenden Künstlers.

Und denken: "Ich muss diesen Schmerz fühlen, weil meine Kunst aus dem Schmerz hervorgeht." Der Schmerz ist also nichts Schlechtes, man muss sich nur daran gewöhnen und dann weitermachen. Bad Blake hat auch tolle Momente auf der Bühne, dann ist er auf seinem Thron. Ich zelebriere meine Traurigkeit nicht, so wie Bad das meist tut.

Bridges: Das Schwierigste im Showgeschäft ist ja, den Fuß in die Tür zu kriegen. Das hat mein Vater für mich erledigt, klar. Er liebte das Filmgeschäft und hat seinen Beruf mit größter Freude ausgeübt.

Noch heute treffe ich Leute, die mir strahlend erzählen: "Ich habe mal mit Ihrem Vater gearbeitet!" Am Set wirkte seine Begeisterung geradezu ansteckend, die ganze Atmosphäre änderte sich auf einen Schlag. Klar, dass er auch all seine Kinder auf den Geschmack gebracht hat.

Bridges: Wenn man jung ist, möchte man nicht nur gemocht werden, weil man berühmte Eltern hat. Und man will keine Jobs bekommen, weil der Vater einflussreich ist. Man will es alleine schaffen. Damals habe ich mich gefragt, ob ich wirklich schauspielen will.

Eigentlich habe ich mich erst nach zehn oder zwölf Filmen für diesen Beruf entschieden. Und dann versucht, meine anderen Interessen wie die Musik da mit einzubringen. Heute bin ich froh, auf meinen Dad gehört zu haben.

Bridges: Ich habe bei ihm diesen Frust gesehen: Er wurde als Taucher abgestempelt, weil er in der enorm erfolgreichen Fernsehserie "Seahunt" die Hauptrolle spielte. Den "Abenteurer unter Wasser" wurde er nicht mehr los. Das war die große Enttäuschung seiner Karriere. Ich habe mir das als Lehre genommen und darauf geachtet, keine allzu deutliche Figur zu verkörpern.

Bridges: Ja, ein bisschen. Aber das ist okay! Wie erklären Sie, dass der "Dude" so beliebt ist? Ich weiß es auch nicht. Die Coen-Brüder sind solche Meister, bei ihnen sieht alles immer so einfach aus. Der Film fesselt selbst mich jedes Mal, wenn ich ihn sehe - und ich habe ihn schon wer weiß wie oft gesehen. Dieser Film gehört für mich in dieselbe Klasse wie "Der Pate", er ist einfach fantastisch!

Bridges: Ja, und das war ein ziemlich großer Moment. Ich ging mit meiner Band auf die Bühne und habe vor einem Meer von "Dudes" gespielt. Wie cool ist das denn? Überall Bowlingkugeln und "Dudes". Wild!

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