Dokudrama „Friedrich — Ein deutscher König“ - Der Alte Fritz ist eine Frau

Dokudrama „Friedrich — Ein deutscher König“ - Der Alte Fritz ist eine Frau

Katharina und Anna Thalbach spielen Friedrich II. in einem Dokudrama zu dessen 300. Geburtstag in Arte und der ARD.

Berlin. Das Volk liebt ihn noch immer, so scheint es. Jedenfalls legen Verehrer bis heute Kartoffeln auf seine Grabplatte vor dem Potsdamer Schloss Sanssouci. Friedrich II. (1712-1786) kommt in unserem historischen Gedächtnis gut weg, lebt sowohl mit der ehrfurchtsvollen Bezeichnung Friedrich der Große als auch mit dem volksnahen Titel „Alter Fritz“ weiter.

Aus Anlass des 300. Geburtstags von Friedrich II. am 24. Januar erzählen Jan Peter (Buch, Regie) und Yury Winterberg (Buch) sein Leben in einem Dokudrama mit vielen Spielszenen, eher wenigen Historiker-Kommentaren und stilvoll animierten Grafiken. Als erfrischend erweist sich vor allem die Idee, die Symbolfigur Preußens von zwei Frauen verkörpern zu lassen: von Katharina Thalbach (57) und der ihr wie aus dem Gesicht geschnittenen Tochter Anna (38).

Friedrich II. war mannigfaltig begabt, spielte Flöte, komponierte, schrieb historische Aufsätze und debattierte mit Philosophen wie Voltaire. Als aufgeklärter Monarch hob er nach seiner Thronbesteigung im Jahr 1740 die Zensur auf und gab vor, dass seine Untertanen „jeder nach seiner Façon selig werden“ sollte.

Allerdings schickte er sie schon kurz darauf das erste Mal auf das Schlachtfeld. Mit der Eroberung Schlesiens stillte er seinen Wunsch nach Ruhm. Und am Ende des Siebenjährigen Krieges (1756-63) hatte er Preußen als Großmacht etabliert. Der „Alte Fritz“, der in seiner Kindheit den militärischen Drill seines Vaters, des „Soldatenkönigs“ Friedrich Wilhelm I., so sehr hasste, war selbst zum rücksichtslosen Feldherrn geworden.

„Ihr verfluchten Racker, wollt ihr ewig leben?“, beschimpfte er angeblich seine Soldaten in der Schlacht. Und stürmte selbst gegen den Feind. Eine Kugel traf ihn, blieb jedoch in einer Schnupftabakdose stecken. Wahrlich ein filmreifes Leben.

Katharina Thalbach stapft entschlossen durch die Schlachtszenen. Furchterregend sieht das natürlich nicht aus, aber gerade diese ironisch wirkende, spielerische Distanzierung hebt den Film wohltuend von anderen TV-Dokudramen ab. Die Thalbach, die schon als „Hauptmann von Köpenick“ am Berliner Maxim-Gorki-Theater preußische Hosen anhatte, gibt einen grantelnden Zausel, der als Menschenfeind aus den Kriegen heimkehrt. Mit Katharina der (156 Zentimeter) Kleinen schrumpft Friedrich der Große auf Normalmaß, ohne dass es lächerlich wirken würde.

Die „falschen“ Geschlechter der Darstellerinnen unterstreichen Friedrichs eigene sexuelle Unbestimmtheit. Das funktioniert vor allem bei Anna Thalbach, die den unter dem derben Vater (Oliver Nägele) leidenden Thronfolger spielt. Die eher heutige Frage, ob Friedrich schwul war, wird souverän und unspektakulär behandelt.

Wenn man dem Film etwas vorwerfen mag, dann dass die letzten 23 Jahre von Friedrichs Regentschaft am Ende flapsig abgekürzt werden. Außerdem ist das Zugeständnis ans Massenmedium Fernsehen, ausschließlich Deutsch zu reden, historisch falsch: Friedrich sprach vorwiegend Französisch.

Und die Kartoffel? Sie spielt nur in einem Nebensatz eine Rolle. Friedrich II. hatte ihre Verbreitung gefördert, indem er den Anbau per Gesetz anordnete. Ob er sich aber über die Knollen auf seinem Grab wirklich freuen würde, sei mal dahingestellt.

„Friedrich — Ein deutscher König“; Arte, Sa. 7. Januar, 20.15 Uhr; und ARD, Mo. 16. Januar, 22.45 Uhr.

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