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Benno Führmann: „Als Schauspieler sucht man nach einem starken Motor“

Benno Führmann: „Als Schauspieler sucht man nach einem starken Motor“

Die Schauspieler Benno Fürmann und Heiner Lauterbach sind in „Der blinde Fleck“ über das Attentat auf das Oktoberfest zu sehen.

Saarbrücken. Seit mehr als 30 Jahren versucht der Journalist Ulrich Chaussy Licht ins Dunkel des Attentates auf das Oktoberfest in München mit 13 Toten zu bringen. Er geht der Frage nach: War es tatsächlich ein Einzeltäter oder steckte ein Neonazi-Netzwerk dahinter? Der Film „Der blinde Fleck“ erzählt Chaussys Geschichte. Er läuft derzeit auch im Wettbwerb um den Max Ophüls Preis. Ein Gespräch mit Benno Fürmann (Ulrich Chaussy) und Heiner Lauterbach als Staatsschutzchef Dr. Hans Langemann.

Herr Fürmann, was hat Sie gereizt, Chaussy zu spielen?

Benno Fürmann: Als Schauspieler sucht man nach einem starken Motor, und der Motor von Ulrich Chaussy läuft mit einer Leidenschaft, die ich inspirierend finde. Dass sich jemand drei Jahrzehnte einer Thematik verschrieben hat, kenne ich als Schauspieler nicht. Wir Schauspieler sind ja eher Sprinter. Ich finde den Menschen Chaussy beeindruckend: Jemand, der von Außen der Demokratie auf die Finger klopft, der sagt: „So kann es nicht gewesen sein!“

Herr Lauterbach, und was hat Sie bewogen, die Rolle anzunehmen?

Heiner Lauterbach: Ich war sehr überrascht, dass das Thema noch nicht verfilmt worden ist. Ich konnte das gar nicht glauben. Zudem bin ich ein großer Freund der Verfilmung großer historischer Ereignisse und historischer Figuren. Es ist spannend, mit Zeitzeugen zu reden oder historische Zeitungsausschnitte zu lesen. Man kann aber nicht einfach drauflos spielen. Man steht in der Verantwortung der Betroffenen und ihrer Verwandten, das „seriös“ vonstattengehen zu lassen.

Warum wurde das Thema erst jetzt verfilmt?

Lauterbach: Das weiß keiner. Dass Regisseure wie Bernd Eichinger oder Nico Hofmann das nicht aufgegriffen haben, wundert mich. Auf der Suche nach historischen Themen für unsere kleine Produktionsfirma habe ich kürzlich ein historisches Buch durchforstet. Und alles, was einigermaßen danach aussah, ist verfilmt worden — außer dem Oktoberfest-Attentat.

Hat sich seit der Zeit des Anschlags viel geändert?

Fürmann: Auch wenn man die Linken jetzt nicht mehr sofort verantwortlich macht, ist die Frage weiter berechtigt: „Wie stark ist der Wille in unserem Land, rechten Terror, rechte Netzwerke ernst zu nehmen? Wie ernsthaft will man da hingucken? Wer hat Interesse an was? Und wie kann man Geheimdienste kontrollieren?“. Wir brauchen nach wie vor Hebel, die die Geheimdienste transparenter machen. Lauterbach: Ulrich Chaussy hat da viel bewirkt. Es sind ja in unserer ganzen Geschichte immer wieder einzelne Leute, die irgendeinen Anstoß geben und für Veränderungen sorgen — seien es Entdecker, Politiker oder Journalisten. Ich glaube, dass sich einiges getan hat. Ich finde es toll, dass solche Dinge von Journalisten aufgedeckt werden. Je häufiger das geschieht, desto schwerer wird es, Dinge zu vertuschen.

Was hat Ihrer Ansicht nach die Aufdeckung des NSU-Skandals bewirkt?

Fürmann: Dass das so lange ignoriert wurde, obwohl es auch Hinweise gab und V-Leute des Verfassungsschutzes in der Nähe waren, hat das Problem plastischer gemacht. Die Problematik des Umgangs mit V-Leuten ist dadurch nicht geringer geworden. Die Frage ist immer noch: „Ist der Informant Nazi oder in erster Linie V-Mann?“