Schauspiel „Figaros Hochzeit" als Comic-Klamauk

DÜSSELDORF · Beaumarchais' Theaterstück als grelles Open Air Spektakel in Düsseldorf.

 Florian Claudius Steffens als Figaro, Pauline Kästner als Susanne.

Florian Claudius Steffens als Figaro, Pauline Kästner als Susanne.

Foto: Thomas Rabsch

Ins Schwitzen gerät ein Big Boss eines großen Kommunikations-Konzerns mit seiner Gemahlin. Und mit einer - manchmal auch mehreren - ‚Geliebten‘. Strickmuster und Plot sind seit fast 250 Jahren bekannt. Daneben ein Typ namens Figaro: Er ist abhängig von seinem adligen Big Boss, will die Karriere-Leiter emporklimmen und sich – Figaro hier, Figaro da - mit Susanna vermählen. Morgen soll Hochzeit sein. Sollte. Klar, dass bis zu „Figaros Hochzeit“ noch einiges dazwischen kommt. In der gleichnamigen Komödie von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais stiftet Big Boss, vor lauter Verliebtsein, ein mächtiges Tohuwabohu an.

Wer mit wem? Das ist nach drei Stunden, inklusive Pause, auf der Tribüne vor der Kulisse des Düsseldorfer Schauspielhauses nicht ganz klar. Pardon: es ist egal. Wenn auch nach der Premiere begeistert applaudiert wurde. Als Open Air Spektakel und ultraleichtes Sommer-Theater auf dem Gustaf-Gründgens-Platz – so ist sie gedacht, die Inszenierung des eigentlich hintergründigen Lustspiels aus der Zeit kurz vor der Französischen Revolution.

Doch was macht Regisseur Andreas Kriegenburg daraus? Einen verwegenen Mix aus vordergründigem, kunterbuntem Klamauk, greller Comic-Comedy und Albernheiten. Künstlich in die Länge gezogen. Wie im Original, das meist nur in Mozarts gleichnamiger Oper zu ertragen ist. Nicht umsonst ist das Opus von Sprechtheater-Spielplänen so gut wie verschwunden. Da fehlt halt Mozart. Ähnlich wie hier. Das Beste des Abends sind Darsteller, die sich körperlich verausgaben, als überspitzte Karikaturen und Comicfiguren auftrumpfen und im besten Sinne die Sau rauslassen. Florian Lange als Graf und Florian Claudius Steffen als Figaro spielen sich die Bälle zu. Atemlos, nicht nur durch die Nacht. Völlig überdreht und exaltiert Cathleen Baumann als überspannte Gräfin und Pauline Kästner als hyperventilierte Susanna im Dauer-Stress. In manchen Passagen mutieren die Mimen zu Knallchargen, die nach kurzer Zeit durch permanente Überzeichnung langweilen. So gelungen auch die Travestie des muskelbepackten Valentin Stückl (Cherubin) in eine Drag Queen in knappem Abendkleid sein mag, die Regie setzt zu stark auf Karneval.

Exzellent jedoch das Bühnenbild von Harald Thor: Er transportiert die Hofgarten-Idylle auf den Betonboden des Gründgens-Platzes: grüne Wiesenflächen, Bänke, Ententeiche, Seufzerbrücken und Anlegestellen. Hier rennen und plaudern die Figuren, geifern, kriegen sich in die Haare, plantschen, fallen oder treten ins Wasser, oder purzeln (wie der geschmeidige Cherubin) in Blumenkübel, die von Gärtner Antonio (schnauzender Andreas Grothgar) bewacht und gewässert werden.

Der Chef des Unternehmens in Nadelstreifen heißt Graf Almaviva und hat ein Auge, wen wundert’s, auf die flinkzüngige, attraktive, aber plappernde Susanna geworfen. Er will seinen Spaß mit ihr haben. Während seine Frau, die vornehm tuende, gelangweilte Gräfin sich mit dem jungen, knackigen Cherubin amüsiert. Sie ist scharf, wie alle Frauen in der Firma Almaviva, auf diesen Californian Dream Boy, der mit Bizeps und Trizeps seine Reize auszuspielen versteht. Unruhe, Panik und Aufregung legen sich erst in einer großen finalen Party – im Foyer des Schauspielhauses. Wenn auch viele Dinge längst klar sind und manche Zuschauer auf die Uhr schauen - bis zum Ende dauert’s noch. In zwei Party-Zelten vollziehen sich die Versteck-Spielchen um Verkleidung und Identitäten: Sie bringen den Big Boss Almaviva zur Verzweiflung und beinah um den Verstand.

Wenn auch die Winde auf dem Gründgens-Platz ganz schön wehen, so lohnt sich – trotz Schwächen – der Ticketkauf. Allein das Sitzen in der erhabenen Architektur-Kulisse zwischen zwei Düsseldorfer Wahrzeichen - Dreischeibenhaus und Schauspielhaus -, der Blick in den dämmernden Frühsommer-Himmel und auf den Platz, auf dem sonst ratternde Skateboarder ihre Runden ziehen und das (zeitweise) Verfolgen der Handlung – das Gesamt-Erlebnis vergisst der Besucher so schnell nicht. Perfekt wäre es, wenn das Ganze doch nur 30 Minuten kürzer dauern würde!


Gespielt bis 2. Juli. Tickets: www.dhaus.de
Tel: 0211/ 36 99 11

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