Dirigent Marek Janowski - Ein Konzert zum Geburtstag in der Heimat

Interview : Dirigent Marek Janowski - Ein Konzert zum Geburtstag in der Heimat

Der weltbekannte Dirigent Marek Janowski wird am 18. Februar 80 Jahre alt – er schenkt sich und den Wuppertalern ein Konzert.

Er ist ein Kind  Wuppertals, das in der weiten, vornehmlich musikalischen Welt zuhause ist.  Der Dirigent Marek Janowski  wird am 18. Februar 80 Jahre alt, schenkt sich und den Menschen seiner Heimat ein Konzert in der Stadthalle. Im Gespräch mit dieser Zeitung erzählt er, was er an der Stadt an der Wupper mag, was die Konzertbesucher erwartet und welchen Komponisten er besonders schätzt.

Herr Janowski, was verbindet Sie mit Wuppertal?

Marek Janowski: Meine Mutter war Wuppertalerin. Sie hat in Polen gelebt und ist mit mir als Baby im Sommer 1939 nach Wuppertal gekommen. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs machte eine Rückkehr nach Warschau obsolet. Ich bin in Elberfeld aufgewachsen, zur Schule gegangen, habe hier Abitur gemacht und bin auch noch hin und her gependelt, als ich in Köln studierte.

Was bedeutet Ihnen Wuppertal?

Janowski: Wuppertal ist meine Heimatstadt. Und die Umgebung, das Bergische Land, gehört zum schönsten, was es in Westdeutschland gibt. Besonders geschätzt habe ich an den Wuppertalern immer ihre Ehrlichkeit und dass sie vielleicht manchmal ein bisschen ruppig miteinander umgehen.  Ich komme immer noch gerne nach Wuppertal, wenn ich in der Nähe bin, gehe auf den Friedhof in Elberfeld, wo meine Mutter und meine Großeltern begraben sind. Außerdem habe ich noch einige Klassenkameraden hier.

Wie bewerten Sie die Stadthalle, wo Sie am 27. Februar ein Konzert  geben werden?

Janowski: Die Stadthalle hat einen der schönsten und akustisch besten Konzertsäle Deutschlands.  Wuppertal hat hier ein Juwel. Es ist schade, dass das so wenige  große Orchester wissen.

Wie sind Sie Dirigent geworden?

Janowski: Ich habe mit sechs/sieben Jahren mit Geigenunterricht begonnen, bin dadurch auch ins Wuppertaler Jugendorchester gekommen, etwas später kam Klavierunterricht dazu.  Während der Schulzeit ging es immer nur um den Musikerberuf.  Erst während des Studiums an der Kölner Musikhochschule kristallisierte sich heraus, dass es eher in die dirigentische Richtung gehen würde.  Zum Glück konnte ich noch den traditionellen Weg gehen. Ich habe als Kölner Korrepititor am Wuppertaler Opernhaus für eine Kapellmeisterstelle probedirigiert. Der damalige Intendant Grischa Barfuss bot mir sofort an, mit ihm nach Düsseldorf zu gehen. Und so kam ich dann für zwei Jahre nach Düsseldorf, danach nach Köln und so weiter, und so weiter… Ich bin so langsam die Dirigentenberufsleiter hinaufgeklettert.

Sie gelten als Sachwalter  der deutschen Dirigiertradition.

Janowski: Von solchen Beschreibungen halte ich nichts. Ich versuche, allen Komponisten im Sinne ihrer Musik gerecht zu werden.

Sie haben viele herausragende Werkeinspielungen geschaffen. Gibt es einen Lieblingskomponisten?

Janowski:   Ich verehre vor allem die großen Komponisten des späten 18., des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Für mich der herausforderndste Komponist war mein ganzes Leben lang Ludwig van Beethoven.

Sie gelten als begnadeter Orchestererzieher.

Janowski: Begnadet würde ich weglassen, aber dass ich gut und effizient mit Orchestern proben kann, das ist  richtig. Und dass eine große Probeneffizienz  ein Orchester nicht schlechter  macht, steht auch fest.

Wie kam es zum Konzerttermin in Wuppertal?

Janowski: Ich habe mit dem WDR Sinfonieorchester für die Saison 2018/2019 einen Beethovenzyklus für CD geplant und wir sind auch gerade damit beschäftigt. Und da kam die Überlegung auf, weitere Städte gastspielmäßig zu bedienen. Zufällig habe ich am 18. Februar meinen 80. Geburtstag. Es ist schön, dass ich ungefähr zehn Tage danach in der Stadt, in der ich aufgewachsen bin, mit einem sehr guten Orchester ein schönes Programm dirigieren kann.

Was wird gespielt?

Janowski: Die „Große“ Schubert-Sinfonie gehört zu den ganz großen Herausforderungen für Dirigent und Orchester. Und das dritte Klavierkonzert von Beethoven, ein sehr populäres Stück, spielen wir mit einem jungen koreanischen  Newcomer (Seong-Jin Cho, Red.), dem eine Weltkarriere bevorsteht. Ein Angebot, das für viele Musikliebhaber in Wuppertal interessant und wert ist, zu kommen.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Janowski: Ich übernehme im Herbst die Dresdner Philharmonie, ein sehr gutes Orchester, das einen fantastischen neuen Saal bekommen hat. Darüber hinaus bin ich auch sonst noch sehr reiseaktiv. Im Herbst geht es nach Amerika, dann wieder nach Köln und danach mit den Kölnern nach Asien. Solange ich mich mental und körperlich meiner Arbeit gewachsen fühle, hält sie mich fit.

Wie feiern Sie Ihren Geburtstag?

Janowski: Den Vormittag verbringe ich in Köln im Abhörstudio mit den Zusammenschnitten von Beethovensinfonien. Am Nachmittag kommen meine Töchter, und zusammen mit meiner Frau trinken wir in Ruhe Kaffee, essen guten Kölner Kuchen und feiern ein bisschen privat. Das ist es.

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