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Neuss-Holzheim: Der Land-Art-Künstler Richard Long im Schütte-Pavillon

Neuss-Holzheim : Der Land-Art-Künstler Richard Long im Schütte-Pavillon

Thomas Schütte zeigt neue Farbdrucke und gewaltige Steinkreise seines Freundes in der Skulpturenhalle in Neuss-Holzheim.

Neuss-Holzheim. Richard Long und Thomas Schütte kennen sich über die Düsseldorfer Galerie Konrad Fischer seit Jahrzehnten. Nun holte der Düsseldorfer Bildhauer den Land-Art Künstler aus Bristol in seine Skulpturenhalle. Dort zeigt er gleich mehrere Deutschland-Premieren. Dazu gehören Grafiken aus feinkörnigem Carborundum, aber auch ein Steinkreis aus Feuerstein, der erst in diesem Frühjahr entstanden ist. Zu sehen ist eine sehr meditative Schau, die ideal in die Niederrhein-Landschaft passt.

Ruhe und Klarheit herrschen in Schüttes Pavillon, im Angesicht der Kreise, Ovale und Rechtecke aus Stein und Torf. Die Reflexion über die Materie, über Raum und Zeit, wie sie Richard Long anstellt, wird von Thomas Schütte kongenial erfasst und wiedergegeben.

Zur Erinnerung: Richard Long wurde 1945 in Bristol geboren und wandert noch immer, wie in den frühen 1960er Jahren, als daraus die „Land Art“ wurde. Dennoch ist er kein Wandervogel. Die Gefühle, die die Deutschen üblicherweise mit der Natur verbinden, sind nicht seine. „Ich bin kein Romantiker, sondern ein Realist“, betonte er seinerzeit im Wilhelm-Lehmbruck-Museum.

Er ist kein Maler und kein Bildhauer, der etwas neu erschafft. Er sucht und findet etwa den feinen Sand zwischen Ebbe und Flut im Fluss Avon vor seiner Haustür. Er sammelt das ausgelaugte Treibholz aus dem Rhein und schneidet den Torf bei seinen Wanderungen durch die Moorlandschaft. Er betont im Gespräch, dass das Einfache und Praktische sein Handeln bestimme. Er gehe nie vom Konzept aus.

1990 entstand die „Torflinie“ für die Galerie Konrad Fischer, die jetzt aus dem Lager geholt und fachmännisch wie ein Puzzle von der Fischer-Crew wieder aufgebaut wurde. Geradezu stolz ist Thomas Schütte, weil sich beim Zusammensetzen von tonnenschweren Basaltsteinen fast alle Teile in der vorgegebenen Form wiederfinden.

Eine Premiere für Deutschland ist ein Kreis aus Feuerstein. Wie Strahlen sind die Teile gelegt, die sich einerseits zum Mittelpunkt fügen, andererseits auseinanderstieben. Sobald das Sonnenlicht durch die Scheiben des Pavillons strömt und sich über die Steine breitet, ist es ein einfaches und doch auch großes Wunder, was da gezeigt wird. In der Doppelrotunde des Pavillons etwa fügen sich dünne Weidengerten zum Strahlenkranz, als gehörten sie zu seiner Mandorla.

Einen neuen Akzent setzen die großformatigen Drucke. Sie stammen aus dem Schleifsand Carborundum, der in Kunstharz gelöst und auf Kupferplatten aufgetragen wird. Als habe der Künstler Schlamm zwischen den Fingern, so agiert er mit den Händen auf dem schweren Druckpapier. Die Spuren der Finger geben den Blättern ihre Vitalität. Gleichzeitig sorgt Richard Long für eine gewisse Ordnung, indem er geometrische Formen mit Abklebeband vorbereitet. Die Platten selbst pflegt er zu klappen und zu kippen, so dass er sie geschickt in der Größe variieren kann.

Der warme Farbton, den die meisten Blätter ausstrahlen, passt ideal zum Ton der Steine. Und Thomas Schütte freut sich, dass er die Blätter ohne das in Museen unverzichtbare Sicherheitsglas zeigen kann. So behalten sie ihren unverfälschten natürlichen Ton.

Info: Skulpturenhalle, Berger Weg. Vernissage Sonntag 12 Uhr. Offen Freitag - Sonntag 11-17 Uhr, bis 16. Dezember.