Interview Das Coronavirus und die Kultur: „Jeder Tag ist ein Verlusttag“

Wuppertal · Silke Asbeck von der Historischen Stadthalle Wuppertal über den Schaden, der durch den Erlass der Landesregierung entsteht.

 Silke Asbeck ist Geschäftsführerin der Historischen Stadthalle in Wuppertal, die bis zu 4000 Gästen Platz bietet.

Silke Asbeck ist Geschäftsführerin der Historischen Stadthalle in Wuppertal, die bis zu 4000 Gästen Platz bietet.

Foto: Bettina Osswald, Wuppertal_0160/Bettina Osswald_www.photographie

Frau Asbeck, was bedeutet der Erlass der Landesregierung, alle Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern bis auf weiteres abzusagen, für den Kulturbetrieb?

Silke Asbeck: In erster Linie trifft das die Veranstalter, da werden dann natürlich Storno-Rechnungen fällig. Wir vermieten unsere Räume der Historischen Stadthalle in Wuppertal an die Veranstalter. Allerdings trifft es auch uns hart: Sollten die Veranstaltungen innerhalb eines Jahres nachgeholt werden, dann gehen die Storno-Rechnungen auf uns über. Und es geht ja weiter: Auch alle Business-Veranstaltungen und Unternehmensjubiläen werden ja gerade in Vielzahl abgesagt. Ein Trost ist nur, dass es sich gerade durch alle Branchen zieht.

Was sind in der Wuppertaler Historischen Stadthalle die nächsten Ereignisse, die abgesagt werden müssen?

Asbeck: Am Samstag haben wir ein Harry-Potter-Konzert, für das über 1000 Karten verkauft sind. Der Veranstalter versucht aber, das noch über die Bühne zu bringen, wir sind da in Verhandlungen und im Austausch. Sonntag und Montag haben wir die großen Sinfonie-Konzerte, für die jetzt der Verkauf gestoppt wurde.

Veranstaltungen, bei denen es die Chance gibt, auf weniger als 1000 Teilnehmer zu kommen, wollen Sie durchführen?

Asbeck: Das müssen wir jetzt genau analysieren. Ich denke, die örtlichen Gesundheitsbehörden werden bei 900 Teilnehmern anders draufschauen als bei 50.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hätte gerne – so sagte er – einen Besuchernachweis bei Veranstaltungen unter 1000 Teilnehmern.

Asbeck: Das wird schwierig. Wir haben ja nicht alle Daten unserer Kartenkäufer. Es kann ja zum Beispiel auch sein, dass jemand 20 Karten gekauft hat. Das würde eine Sisyphos-Arbeit bedeuten. Wir müssen das mit den örtlichen Gesundheitsämtern absprechen.

Was bedeutet das wirtschaftlich für ein Haus wie die Historische Stadthalle?

Asbeck: Wir sehen unsere März-Umsätze schwinden. Klar ist: Jeder Tag, der verloren geht, ist für uns ein Verlusttag. Man muss es ja so sehen: Auch Konzerte und Veranstaltungen, die in der zweiten Jahreshälfte nachgeholt werden können, reißen dann eben in dieser zweiten Jahreshälfte andere Termine und Einnahmen ein. Das wird insgesamt ein tiefes Loch in die Kassen reißen.

Was halten Sie von der Ansage, der Erlass gelte „bis auf weiteres“. Gibt Ihnen das Hoffnung – oder erschwert es die Planung?

Asbeck: Das ist ja nur Ausdruck auch der politischen Hilflosigkeit. Kein Mensch kann in die Glaskugel schauen. Man muss Tag für Tag bewerten, wie die Situation ist. Das gilt auch für unser Haus, so handhaben wir es. Jetzt müssen wir den März überstehen. Und dann wäre es natürlich wirklich gut für uns, wenn der Erlass im April aufgehoben wäre. Es geht um jeden Tag.

Was heißt das für die Angestellten?

Asbeck: Es ist jetzt vielleicht eine Möglichkeit für das Personal, anfallende Überstunden abzubauen. Natürlich wird unser Bürobetrieb aufrechterhalten. Aber die Durchführungszeiten der Projektleiter sind jetzt andere. Ich habe auch mal kurz überlegt, ob wir nicht die Grundreinigung und den zeitintensiven Abschliff des Parkettbodens im großen Haus aus den Sommerferien auf die kommende Zeit vorziehen können. Aber darauf werden die Firmen nicht vorbereitet sein.

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