Caterina Valente: Der unterschätzte Weltstar

Caterina Valente: Der unterschätzte Weltstar

Caterina Valente wurde in Deutschland als Schlagersängerin verschlissen, kann aber viel mehr. Freitag wird sie 80 Jahre alt.

Lugano. In den 50er Jahren mussten noch Schlager Sehnsucht und Fernweh transportieren — bevor die Menschen selbst die Koffer packten. Bei Caterina Valente wurden sie im Jahrestakt zuverlässig bedient: „Ganz Paris träumt von der Liebe“ (1954), „Fiesta Cubana“ (1955), „Komm ein bisschen mit mir nach Italien“ (1956), „Wo meine Sonne scheint“ (1957), „Spiel noch einmal für mich, Habanero“ (1958).

Das deutsche Publikum hörte es gern, wenn Caterina Valente von fremden Ländern sang. Dass sie dort auftrat, nahm man ihr jedoch übel. Dass sie dort jahrzehntelang Erfolge feierte, übersah man geflissentlich. „In Deutschland habe ich nicht immer die Lieder gesungen, die ich wirklich gern hatte“, sagte sie 2003.

Denn mit solchen Schlagern blieb sie in elf Kinofilmen und bis in die 80er Jahre in zahlreichen TV-Shows (mitunter über-) präsent. Ähnlich wie Peter Alexander wurde sie weit unter Wert dauernd durch die gleiche Vermarktungsmühle gedreht — auch der Österreicher ist ein hochprofessionelles Multitalent, dessen Können von übersüßer Show-Sauce zugekleistert wurde.

Valente brachte mit ihren dunklen Augen und dem brav zum Pferdeschwanz gebundenen schwarzen Haar einen Prickel-Hauch Exotik ins Showgeschäft, galt insgesamt aber als fleißiges, „blitzsauberes Mädel“. Zur Entrüstung der Boulevardmedien war ihr dieses Image egal, als sie 1972 den 16 Jahre jüngeren Komponisten Roy Budd heiratete.

Immer spürt man bei ihr die schiere Lust an der Musik und den Möglichkeiten ihrer Stimme. Dieses Vergnügen lebte sie mit Jazz und Bossa Nova im Ausland aus. Bereits 1957 nahm sie in New York ein Album auf, das bis heute swingt. 1964 hatte sie eine eigene Show in Las Vegas und im US-Fernsehen eine Samstagabend-Revue mit 22 Folgen. Sie sang mit Frank Sinatra, Sammy Davis jr. und Dean Martin, Ella Fitzgerald, Bing Crosby und Perry Como. In London wurde sie von der Königinmutter empfangen. Mitten im Kalten Krieg trat sie in der UdSSR auf. In Japan stand sie dreimal an der Spitze der Hitparade.

Die vielen Reisen war sie gewohnt. In siebter Generation entstammt sie einer Artistenfamilie, reiste seit frühester Jugend quer durch Europa. Mit fünf Jahren stand sie das erste Mal auf einer Bühne. Dass die Nazis die 14-Jährige mit ihrer Familie in Breslau in einem Außenlager des KZ Groß-Rosen gefangen hielten („Wir mussten jeden Morgen im Hof des Lagers spielen“) hat sie in der deutschen Öffentlichkeit nie angesprochen, es erst 1985 in ihrer Autobiografie erwähnt.

Für ihr Berufsleben hat sie eisern das Motto ihrer Mutter befolgt: „Der Vorhang geht auf, und du musst da sein. Aus, fertig.“ Ihr Durchhaltevermögen galt schon in den 50er Jahren als legendär. 2003 erklärte sie, wie sie das bewerkstelligte: „Vormittags war ich im Filmstudio, dann bin ich in eine andere Stadt geflogen und dort aufgetreten. Monatelang! Danach habe ich regelmäßig Schlafkuren in einer Klinik gemacht. Ich habe Vitaminspritzen gekriegt und zwei Tage durchgepennt. Dann war ich wieder fit.“

Diszipliniert und ohne Larmoyanz hat sie sich auch aus dem Showgeschäft verabschiedet. 1987 das letzte Konzert in den USA, 1996 der letzte Auftritt in Deutschland, 2005 nahm sie einen Ehren-Bambi entgegen. Seither lebt sie zurückgezogen in Lugano oder den USA — und hört die Musik, die sie gern mag. Am Freitag wird die große Unterhaltungskünstlerin 80 Jahre alt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung