Darstellerin großer Frauenrollen Bühnenstar Ellen Schwiers mit 88 gestorben

Starnberg · Sie wollte nicht mehr leben, klagte über schlimme Schmerzen. Nun ist Schauspielerin Ellen Schwiers im Alter von 88 Jahren gestorben.

 Die Schauspielerin Ellen Schwiers bei der Verleihung des Deutschen Schauspielerpreises im Jahr 2013.

Die Schauspielerin Ellen Schwiers bei der Verleihung des Deutschen Schauspielerpreises im Jahr 2013.

Foto: dpa/Jörg Carstensen

Ellen Schwiers war des Lebens wohl müde geworden. Altersgebrechen und Schmerzen machten ihr zu schaffen. Am Freitag ist Schwiers im Alter von 88 Jahren in ihrem Haus am Starnberger See gestorben, wie ihre Tochter Katerina Jacob über ihre Agentur mitteilen ließ. Vor vier Jahren hatte der frühere Bühnenstar Abschied vom Schauspielerdasein genommen. Seitdem, so erzählte Jacob vor zwei Wochen in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“, habe ihrer Mutter eine Aufgabe gefehlt. Sie habe sich wertlos gefühlt.

70 Jahre lang hatte Schwiers auf der Bühne gestanden. Als ihr das immer schwerer fiel, beendete sie kurz vor ihrem 85. Geburtstag ihre Karriere. Zuvor war sie noch mit ihrem Bruder Holger Schwiers und ihrer Tochter in der Komödie im Bayerischen Hof in München zu sehen gewesen. Um durchzuhalten, habe sie damals Infusionen bekommen, erzählte Schwiers wenige Tage nach ihrem letzten Auftritt im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Der Abschied von der Bühne war für die Schauspielerin ein konsequenter Schritt.

Erholung fand sie zunächst in ihrem Garten. Seit vielen Jahren lebte Schwiers am Starnberger See. Sie schwärmte vom frühsommerlichen Aufblühen der Natur, von ihren Hunden und den vielen Eichhörnchen und Fröschen um sie herum. Damals sagte sie, keine Leere nach dem Berufsabschied zu fürchten.

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Doch irgendwie scheint es ihr nicht gelungen zu sein, die Lücke zu füllen, die die fehlende Schauspielerei hinterließ. Da habe das Sterben ihrer Mutter eigentlich schon angefangen, sagte Tochter Katerina bei „Markus Lanz“. Vor einigen Wochen sagte Schwiers in einem Interview, Sterbehilfe in Betracht zu ziehen. Bei „Markus Lanz“ sagte Jacob kurz vor Ostern, ihre Mutter habe mit Sterbefasten begonnen und auch das Trinken eingestellt.

Vor allem als Darstellerin großer Frauenrollen hatte sich Schwiers einen Namen gemacht. Als „Mutter Courage“ tourte sie in Bert Brechts gleichnamigem Stück durch die Lande, in Salzburg spielte sie die Buhlschaft im „Jedermann“. Sie gab die „Lysistrata“ und im „Götz von Berlichingen“ die Adelheid. Mit Shakespeares „Was ihr wollt“ feierte Schwiers 1972 ihr Regie-Debüt bei den Burgfestspielen in Jagsthausen in Baden-Württemberg. Als besonderes Glück bezeichnet sie es, dass sie auch immer mit sehr guten Kollegen habe arbeiten dürfen, wie zum Beispiel mit Brigitte Horney oder Carl Raddatz.

Auch in zahlreichen Kino- und Fernsehproduktionen war Schwiers zu sehen, etwa in dem Klassiker „Das Erbe von Björndal“, in Serien wie „Derrick“, „Tatort“, „Unser Charly“ oder in „Der Bulle von Tölz“ an der Seite ihrer Tochter Katerina. In dem Kinodrama „3096 Tage“ über das Schicksal von Natascha Kampusch spielte Schwiers die Großmutter des Mädchens.

Ein Herzensprojekt war für Schwiers ihr 1982 gegründetes Tourneetheater „Das Ensemble“. Ihr sei es immer wichtig gewesen, dass auf der Bühne das gesamte Ensemble zählt - deswegen auch der Name. „Ich wollte nicht einen Star haben und drumherum große Wüste.“ Stolz machte es sie, dass „Das Ensemble“ mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde.

Privat hatte Schwiers schwere Schicksalsschläge zu verkraften: Ihr Sohn Daniel starb 1985 an Krebs, wenige Jahre später starb auch ihr Mann. „Wenn man erlebt, wie ein 21-Jähriger stirbt, der gerne gelebt hätte, dann kann man das eigene Leben nur als Geschenk empfinden.“ Zum Schluss war es ihr anscheinend zur Last geworden.

(dpa)
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