1. Kultur
  2. Bühne

„Tannhäuser“-Regisseur: „Die Absetzung wurde mir nur mitgeteilt“

„Tannhäuser“-Regisseur: „Die Absetzung wurde mir nur mitgeteilt“

Regisseur Burkhard C. Kosminski hält an seinem umstrittenen „Tannhäuser“ fest. Er möchte eine Podiumsdiskussion in Düsseldorf.

Düsseldorf. Regisseur Burkhard C. Kosminski ist abgetaucht. Seit seiner „Tannhäuser“-Premiere im Düsseldorfer Opernhaus und dem anschließenden Eklat wird er in Mails wüst beschimpft, sein Telefon klingelt ohne Unterlass. Vieles davon gehe unter die Gürtellinie, erklärt er.

Seit Mittwoch steht nun auch fest, dass die Deutsche Oper am Rhein seine Inszenierung nicht mehr zeigt. Unserer Zeitung hatte Kosminski noch am Nachmittag erklärt, dass er sich nicht auf künstlerische Veränderungen seiner Inszenierung einlassen werde. In einer sachlichen Diskussion möchte er stattdessen herausfinden, warum die Besucher so hochemotional auf seine Wagner-Sicht reagieren.

Herr Kosminski, Opernintendant Christoph Meyer hat jetzt entschieden, Ihren „Tannhäuser“ abzusetzen. Was sagen Sie dazu?

Burkhard C. Kosminski: Ich bin geschockt. Mir ist diese Entscheidung von Christoph Meyer nur mitgeteilt worden.

Wären künstlerische Änderungen für Sie eine Möglichkeit gewesen?

Kosminski: Vor zehn Monaten habe ich mein Konzept vorgelegt und erklärt, was ich machen will. Auch während der Proben habe ich große Transparenz geschaffen. Ich bin ja kein Skandalregisseur und habe schon mehr als 50 Stücke inszeniert.

Wie empfinden Sie die Reaktionen auf Ihren Tannhäuser, den Sie als Nazi-Verbrecher darstellen?

Kosminski: Was ich zurzeit an Beschimpfungen per Mail bekomme, das geht sehr unter die Gürtellinie. Auch die Fragen einiger Journalisten sind ausschließlich suggestiv. Daher bin ich erst einmal untergetaucht. Andere Menschen melden sich bei mir und bedanken sich für den Abend und sind froh, dass ich Wagner so angepackt habe.

Werden Sie sich der Diskussion weiterhin stellen?

Kosminski: Natürlich. Wir müssen allerdings wieder zu einer sachlichen Debatte kommen.

Würden Sie sich nach dem Buh-Hagel vom Wochenende und den Pöbeleien bei der Premierenfeier noch einmal öffentlich stellen?

Kosminski: Klar stelle ich mich. Es wäre gut, wenn die Debatte weitergeht und wir erfahren, was die tieferliegenden Gründe für diese große Emotionalität sind. Ich fände es gut, wenn es eine Podiumsdiskussion in Düsseldorf geben würde.