Revue: Wie Varieté eben sein muss

Revue: Wie Varieté eben sein muss

Im Wuppertaler Opernhaus inszeniert Olaf Strieb die Geschichte des weltberühmten Männersextetts „Comedian Harmonists“.

Wuppertal. Die schräg aufgestapelten Schallplatten drehen sich, und mühsam stapfen die sechs Männer darauf empor. Der Weg zum Erfolg ist steil und beschwerlich. Die Revue "Die Comedian Harmonists" vom Autorenduo Gottfried Greiffenhagen und Frank Wittenbrink wirft einen durchaus kritischen Blick auf das wohl bekannteste Männergesangssextett der Welt.

Neben seinen großen Erfolgen stehen die Streitigkeiten der Sänger im Zentrum, aber auch die anstrengendendf langen Proben. Die Wuppertaler Bühnen zeigen die "Comedian Harmonists" in der Regie von Olaf Strieb im ausverkauften Opernhaus.

Die sechs Künstler bilden ein sehr ausgewogenes, samtweiches Ensemble. Nur in den Solopartien wird manchmal der Unterschied zwischen den Schauspielern und den ausgebildeten Sängern deutlich.

Korrepetitor Tobias Deutschmann, der auch die Rolle des Pianisten im Stück spielt, muss sehr intensiv musikalisch geprobt haben - so locker-leicht betörend und intonationssicher klingen Klassiker wie "Mein kleiner grüner Kaktus" oder "Wochenend’ und Sonnenschein", aber auch weniger bekannte Lieder wie "Liebling, mein Herz lässt dich grüßen" oder "Dinah".

Diana Pähler (Bühne) setzt die Sänger wunderbar in Szene. Vorne liegt eine überdimensionale Schallplatte, die sich drehen kann, hinten stapeln sich die Schallplatten schräg, die durch eine runde, beleuchtete Bühnenöffnung abgetrennt sind.

Michael Friebele (Licht) schafft verschiedene Räume: Solange die Comedian Harmonists zuhause im Kämmerchen proben, ist nur die schwarze Vorderbühne beleuchtet, alles wirkt karg und trostlos.

Als die ersten Auftritte anstehen, leuchtet blau ein Hoffnungsschimmer auf. Die Varietébühnen sind in rotes Licht getaucht, die nach hinten abgestuften Bühneneinfassungen leuchten showgerecht. Als das Ensemble dann in größeren Sälen auftritt, wird auch die Vorderbühne entsprechend angestrahlt.

Zunächst baut Regisseur Olaf Strieb auf albernen Slapstick, um die schwierige Lage der Comedian Harmonists zu überspielen. Doch zunehmend gewinnt die Inszenierung an Fahrt. Tenor Steffen Häuser spielt Harry Frommermann, der die Truppe gründet und immer wieder mit Überredungskunst oder im Befehlston bei der Stange hält. Cornel Frey bewältigt exzellent die extrem hohe Tonlage von Ari Leschnikoff und trifft sehr schön das typische Timbre.

Tobias Wessler gibt den leicht snobistischen Erich Abraham-Collin. Patrick Schnicke hat eine sehr anrührende Szene, als er am Klavier ein jüdisches Lied spielt, und singt. Bassist Thomas Schobert lockert durch seine clownesken Gesten und Einfälle das Geschehen auf.

Als wichtiger Gegenpol agiert Andreas Ramstein, der mit großer Verwandlungskunst mal einen hinkenden, nuschelnden Theateragenten, dann einen pöbelnden Nazi oder einen aalglatten Showmoderator spielt.

Mit stehenden Ovationen bejubeln die Zuschauer das mitreißende Ensemble. Zum Dank gibt es "In der Bar zum Krokodil" und die "Schöne Isabella von Castilien", bevor mit "Auf Wiedersehen" der Abend endgültig zu Ende geht.

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