Projekt: Innige Bindung ans Theater

Projekt: Innige Bindung ans Theater

Die Häuser in der Region probieren aus, wie sie Zuschauer an sich binden — und wenn der Intendant Suppe kocht.

Düsseldorf/Wuppertal/Krefeld. Die Theater haben es nicht leicht mit ihren Besuchern. Früher gehörte ein Abonnement zum guten Ton, war eine Premiere Stadtgespräch. Heute konkurrieren ungleich mehr Angebote um die Gunst von Zuschauern — von zahlreichen Kultureinrichtungen bis zu einem auch kulturell breitgefächerten Fernsehprogramm. Zudem rückt in derzeit finanzschwachen Städten wie Krefeld und Wuppertal die Subvention der Theater noch stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit. Höchste Zeit also, sich um eine innigere Bindung der Bürger an die Schauspielhäuser zu bemühen: Nur so können sie dauerhaft überleben.

Dieses Süppchen kocht Theaterchef Staffan Holm persönlich: Für jeden Besucher der ersten Düsseldorfer Zuschauerkonferenz gibt es am kommenden Sonntag einen Teller Stärkendes, das der neue Intendant aus Schweden zubereitet hat. Diese Art der Zuwendung ist ebenso besonders wie die Veranstaltung: Ausdrücklich geht es den Machern um die Meinung des Publikums — und zwar zu allen 15 Premieren ihrer ersten Spielzeit in Düsseldorf das große Ganze. Sind Publikumsgespräche nach und Einführungen vor Vorstellungen heute ebenso üblich wie produktionsbegleitende Lesungen, ragt diese Form deutlich heraus.

„Wir wünschen uns eine Spiegelung: Wie wird das Theater gesehen? Was kommt an? Wie präsent sind wir in der Stadt?“ Chefdramaturgin Almut Wagner hofft auf konkrete Anregungen ebenso wie auf eine „allgemeine Temperatur“. Schon vorab können Theatergänger ihre Rückmeldungen in die Urnen werfen, die in allen Spielstätten stehen.

Bei der Zuschauerkonferenz soll es zunächst in Gruppen von 20 bis 40 Personen einen informellen Austausch mit Hausregisseuren, Dramaturgen und Öffentlichkeitsreferenten geben. Moderiert vom Düsseldorfer Literaturkritiker Hubert Winkels, geht es danach im Kleinen Haus in die Diskussion. Auf dem Podium stellen sich Holm und sein Team der Zuschauermeinung. Und dann wartet die Suppe.

Ob und wie viele Menschen kommen werden und wie konkret sich ihre Anregungen umsetzen lassen, das ist für Wagner noch ein großes Fragezeichen: „Die Zuschauerkonferenz ist ein Testballon.“ Wenn es gut funktioniere, dann werde man das Format sicherlich wiederholen.

Auch in Wuppertal ist man gespannt, wie der „Testballon“ in Düsseldorf ankommt — zumal Vergleichbares nicht geplant ist. Erfahrungen mit Publikumsbeteiligung hat man aber auch im Bergischen Land. „In Wuppertal sind im vergangenen Jahr, durchaus auch als Experiment, mehrere öffentliche Veranstaltungen zur Zukunft des Schauspielhauses angeboten worden“, sagt Enno Schaarwächter, Geschäftsführer der Bühnen. „Es gab zwar keine riesige Resonanz, aber einen lebhaften Austausch.“

Zugleich signalisiert Schaarwächter, dass nichts wichtiger sei als das eigentliche Theater: „Die erfolgreichste Publikumsbeteiligung ist und bleibt die gut besuchte Vorstellung.“ Regelmäßige Publikumsgespräche gibt es an den Wuppertaler Bühnen nicht. Seit Jahren erfolgreich sei jedoch das monatliche Gespräch im Club Theatersilber. Dort stellen die regelmäßig 40 bis 60 Besucher Fragen zum jeweiligen Stück und diskutieren mit den Kreativen — gedacht ist dieses Angebot vor allem für erfahrene, „nicht mehr ganz so junge“ Zuschauer.

„Nur im Austausch mit dem Publikum können wir gutes Theater machen“, lautet auch am Theater Krefeld-Mönchengladbach die Überzeugung. Ein festes Format wie die Zuschauerkonferenz gebe es zwar nicht, sagt Sprecherin Saskia Fetten. „Aber das Publikum äußert sich durch Briefe, Anrufe und in den Gesprächen im Foyer.“ In der Tat: Die Theaterleute sind an den familiären Häusern am Niederrhein häufig präsent und ansprechbar, bis hin zum Intendanten Michael Grosse. „Fremd sein, heimisch werden, ankommen“, hatte der als Motto ausgegeben — und hält sich daran. „Die Leute spüren, dass das keine Phrase ist, sondern authentisch“, sagt Fetten.

Beim Amtsantritt vor 18 Monaten hatte das Leitungsteam versprochen, dass „im Theater möglichst oft das Licht angeht“. Also gibt es Gesprächsrunden zu den Stücken, auch die Idee der „Frühstücksmatinee“ vor jeder Premiere kommt gut an. Fetten: „Man sitzt zusammen, isst und trinkt Kaffee — das schafft eine gute Atmosphäre für den Austausch.“

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