„Opening Night“ am Bochumer Schauspielhaus: Das Hadern der Diva

„Opening Night“ am Bochumer Schauspielhaus: Das Hadern der Diva

Neben Katharina Linder spielt ein zurückhaltender Peter Lohmeyer in Bochum.

Bochum. Der Abend beginnt mit Warten. Der Regisseur, der Hauptdarsteller, der Inspizient — alle warten. Ohne dass jemand ein Wort verliert, kann man ihre Gedanken lesen: Myrtle Gordon, die Diva, kommt wieder zu spät.

Sie steht im Zentrum von John Cassavetes‘ 1977 gedrehtem Film „Opening Night“, den das Bochumer Schauspielhaus jetzt auf die Bühne brachte. Der amerikanische Autorenfilmer beschreibt darin die Zweifel einer Theaterschauspielerin in ihren 40ern.

Sie soll im neuen Stück der Autorin Sarah eine alternde Frau spielen. Während Regisseur Manny den Laden zusammenzuhält und der männliche Star Maurice auf eine zweite Chance hofft, gerät Myrtle in eine Alters-Krise. Zum Auslöser wird die Begegnung mit der jungen Nancy, die sie bewundert und kurz darauf bei einem Unfall stirbt.

Der Reiz der Dramatisierung liegt im Theater-auf-dem-Theater-Effekt. Bühne und Zuschauerraum sind nur durch ein paar Stufen getrennt, eine drehbare Wand deutet die Spielorte an (Bühne: Alex Harb). Katharina Linder spielt die Myrtle Gordon sehr zurückgenommen. Keine Überspanntheit, sondern ein Hadern mit der eigenen Weiblichkeit und eine Suche im Repertoire der eigenen und fremden Identitäten.

Die Grenzen zwischen Leben und Kunst verschwimmen dabei bis zur Unkenntlichkeit. Paroli bietet ihr nur Nancy (Sarah Grunert), die Regisseur Anselm Weber zu einer regelrechten Wiedergängerin macht. Eher blass bleibt dagegen Filmstar Peter Lohmeyer als Maurice, dessen uneitler Stoizismus weder das Ringen um ein Comeback, noch die frühere Liebesbeziehung zu Myrtle erkennen lässt.

Renate Becker als scharfzüngige Sarah und Bernd Rademacher als verzweifelt ruhiger Regisseur Manny komplettieren das Ensemble. Gerade das Unterspielen der Inszenierung wirkt sich letztlich als Manko aus. Die emotionalen Abgründe bleiben flach, die Irritationen berechenbar, so dass am Ende kaum mehr als ein routinierter Theaterabend auf der Habenseite steht.

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