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Letzter Vorhang an der Wupper

Letzter Vorhang an der Wupper

Eine große Theater-Ära geht zu Ende. Ideen für eine neue Nutzung sind da, aber es fehlt das Geld.

Wuppertal. Wenn beim Film die letzte Klappe fällt, sind alle erleichtert. Wenn in einem Theater der letzte Vorhang fällt, ist das Gegenteil der Fall.

So spielten sich in Wuppertal zuletzt Szenen ab, die sich 1966 bei der Eröffnung des Schauspielhauses niemand hätte ausmalen können.

Immer wieder standen zuletzt Zuschauer nach Vorstellungen zusammen und erinnerten sich an die ruhmreichen Tage der einst glanzvollen Spielstätte — manche mit Tränen in den Augen.

Seit Sonntagabend ist das Theater in Elberfeld Geschichte: Das Schauspielhaus, einst Sprungbrett für spätere Stars wie Dietmar Bär, Christian Quadflieg oder Uwe Ochsenknecht, hat endgültig seine Pforten geschlossen — bezeichnenderweise mit einem Stück, das sich um Finanzen dreht.

„Eine Billion Dollar“, die Erfolgsinszenierung von Schauspiel-Chef Christian von Treskow, hatte seit der Uraufführung 2009 stets für ein ausgebuchtes Haus gesorgt — am Ende jedoch konnten einzelne Höhepunkte den Niedergang der Spielstätte nicht aufhalten.

Eine veraltete Technik und neue Brandschutzbestimmungen waren der Anfang vom Ende: Der große Saal, der 750 Besuchern Platz geboten hatte, wurde 2009 geschlossen. Per Sondergenehmigung konnte das Theater im Foyer auf einer kleinen Bühne noch weiterspielen. Der Charme ging im Provisorium jedoch verloren.

Für das ehrwürdige Gebäude, neben dem inzwischen ein Kinopalast steht, scheint keine Rettung in Sicht zu sein: Für die dringend erforderliche Gesamtsanierung war von vornherein kein Geld da. Unter anderem aus einem Ideenwettbewerb wurden moderne Zukunfts-Visionen entwickelt.

Der einstige Theatertempel könnte das neue und größere Haus des renommierten Von der Heydt-Museums werden. Auch ein internationales Tanzzentrum wäre an der früheren Wirkungsstätte des Pina-Bausch-Ensembles denkbar. Dafür ist jedoch erst recht kein Geld da. Denn beide Pläne benötigten einen Anbau — und eine Investition von rund 40 Millionen Euro.

Während die politische Diskussion über eine mögliche neue Nutzung gerade erst begonnen hat, herrscht neben Wehmut auch Aufbruchsstimmung vor.

Schauspielerin Ingeborg Wolff, die selbst jahrzehntelang im Rampenlicht stand, beklagt das Ende „unseres großartigen, geschichtsträchtigen, geliebten Hauses“, freut sich aber auch auf die kleine Bühne, die derzeit für rund 1,5 Millionen Euro in Barmen gebaut wird — Sponsoren sei Dank. Mit weniger als 200 Plätzen ist die umgebaute Lagerhalle jedoch mit dem Schauspielhaus kaum zu vergleichen.