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Karl-May-Festspiele: Indianerhäuptling hängt Tomahawk an den Nagel

Karl-May-Festspiele: Indianerhäuptling hängt Tomahawk an den Nagel

Meinolf Pape spielte 50 Jahre lang bei den Karl-May-Festspielen in Elspe mit.

Lennestadt. Die Kriegsbemalung hat er sich unter der Dusche aus dem Gesicht geschrubbt, wie schon Tausende Male zuvor. Gerade saß der 65 Jahre alte Meinolf Pape noch als Indianerhäuptling im Sattel und lieferte sich spektakuläre Showkämpfe. Nach einem halben Jahrhundert bei den Karl-May-Festspielen im sauerländischen Elspe verabschiedet der Pferdenarr sich nach dieser Saison von seiner Rolle als Gegenspieler von Winnetou und Old Shatterhand.

„Fallen ist das Wichtigste“, sagt er und lacht, als er in Jeans und T-Shirt aus dem Clubhaus auf dem Gelände der Festspiele kommt. Bei Stürzen hat er sich in 50 Jahren auf der Bühne Rippenbrüche und Prellungen zugezogen — und trotzdem nie eine Vorstellung verpasst. „Ich habe mit einem Gipsarm auf der Bühne gestanden und mit Pierre Brice gekämpft“, erzählt Pape aus vergangenen Zeiten. Mit Brice bestritt Pape in den 70er Jahren bis zu 112 Shows pro Saison.

Weit über 10 000 Bühnenkämpfe hat er sich in 50 Jahren in Elspe insgesamt geliefert. Dabei ist der 65-Jährige auch heute — kurz vor dem Ruhestand — nicht zimperlich: Er springt seinem Kontrahenten mit den Füßen an den Kopf und lässt sich mehrfach mit voller Wucht auf den Boden krachen. Die meistens Tricks lernte er von seinem Judotrainer. „Sonst ginge das nicht so glimpflich ab.“ Auf die Bühne in Elspe kam Pape durch Zufall. „Ich habe in den 60er Jahren immer die Pferde der Bauern für die Vorstellung hierher gebracht“, sagt er.

Während der zweistündigen Spiele wartete er hinter der Bühne. „Dann kam auf einmal die Frau des Chefs und sagte: ,Meinolf, lieg hier nicht so rum. Spiel mit, der Franz-Josef ist in der Landverschickung.’“ In der unverhofften Statistenrolle als Indianer hatte Pape Bühnenluft geschnuppert — und wollte sich für die nächste Saison als Statist melden. Stattdessen bekam er eine Rolle als Häuptlingssohn. Dabei hatte er sich beim Vorsprechen nicht besonders geschickt angestellt: „Das (...) war eher ein Vorstottern“, sagt Pape heute.

Neben seiner Indianerkarriere auf der Freilichtbühne machte er eine Ausbildung zum Schweißer. „Ich hatte immer Frühschicht von vier Uhr bis mittags und dann Zeit für die Bühne.“ Die nennt er scherzhaft seinen Spielplatz. Denn Pferde, Raufen und Bewegung, das liege ihm im Blut. „Meine Eltern konnten mich schon als Fünfjährigen nicht bändigen. Ich habe nur auf Bäumen oder Pferderücken gelebt. Heute würde man mich wohl als ADHS-Kind bezeichnen.“ Mit Ende der Saison am 8. September will Pape seinen Spielplatz nach 50 Jahren anderen überlassen. „Dann habe ich Zeit und kann mit meinem Pferd durch die Wälder reiten“, sagt er. Zunächst ist er aber noch ein paarmal als streitbarer Navajo-Häuptling zu sehen.