Intendant Hartmann am Burgtheater entlassen

Intendant Hartmann am Burgtheater entlassen

Wien (dpa) - Fast fünf Jahre nach seinem gefeierten Start am Burgtheater steht Intendant Matthias Hartmann alleine da.

Der deutsche Theater-Überflieger mit Erfolgsstationen in Bochum und Zürich ist in Wien gescheitert - ein millionenschwerer Finanzskandal brachte den 50-Jährigen zu Fall. Zunächst sprach ihm das Ensemble das Misstrauen aus, am Dienstag fiel dann der vorläufig letzte Vorhang: Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) präsentierte Hartmann die fristlose Entlassung und sparte nicht mit großen Worten: Es gehe um nichts weniger, als „weiteren Schaden für die Republik und das Burgtheater abzuwenden“. Der letzte Akt des Dramas wird wohl vor Gericht spielen.

Über Monate hatte die desaströs schlechte Finanzsituation der „Burg“ die Theatermetropole Wien fest im Griff. Rund 8,3 Millionen Euro Schulden und Steuernachzahlungen in Millionenhöhe drohen der renommierten Bühne laut einer vorläufigen Bilanz. Hartmann selbst will von der angeblichen Misswirtschaft nichts gewusst haben. Er habe sich auf die künstlerische Leitung konzentriert. Nur die Wenigsten aber glaubten seiner Argumentation.

Auch die Entlassung der Vizedirektorin und kaufmännischen Geschäftsführerin Silvia Stantejsky, von Vielen als Bauernopfer angesehen, konnte die Wogen nicht mehr glätten. Hartmann selbst verstrickte sich immer mehr in Widersprüche. Ein Rechtsgutachten des Kulturministeriums wirft ihm „grobe Verfehlungen“ vor. Mängel im Rechnungswesen und im Kontrollsystem seien über mehrere Jahre hinweg nicht behoben worden.

Der Posten des „Burg“-Chefs ist traditionell schwierig. „Burgtheaterdirektorenabschießen gilt in Wiener Kulturkreisen als beliebter Sport. Hartmann hat es seinen Jägern erstaunlich leicht gemacht“, urteilte die Wiener Tageszeitung „Kurier“ am Dienstag. Öffentlich hat Hartmann kaum noch Unterstützer. Sein oft als arrogant gewertetes Auftreten brachte ihm nicht nur Freunde.

Dabei lancierte Hartmann gleich nach Beginn seiner Intendanz erfolgreiche Initiativen wie „Die junge Burg“, Theater speziell für Schüler und Studenten. Auf der Bühne setzte er auf einen abwechslungsreichen Mix an Stücken und Regisseuren. Häufig inszenierte er selbst und sorgte damit für ausverkaufte Vorstellungen und ein begeistertes Publikum. Die Auslastung der verschiedenen Spielstätten ist im Vergleich zu anderen deutsprachigen Bühnen beachtenswert.

Anfang April soll das von Hartmann erarbeitete Projekt mit dem vielsagenden Titel „Ein falscher Film“ in seiner Regie im Akademietheater zu sehen sein. Ob es dazu aber tatsächlich kommen wird, scheint fraglich. Der gebürtige Niedersachse musste am Dienstag seinen Arbeitsplatz unverzüglich räumen und darf sein Büro künftig nicht mehr betreten.

Mit dem Abgang Hartmanns, dessen Vertrag noch bis 2019 gelaufen wäre, solle nun nach Wunsch des Kulturministers Ostermayer wieder Ruhe im Burgtheater einkehren. Auch der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Georg Springer, gab am Dienstag im Zuge des Finanzskandals seinen Rückzug bekannt. Es müsse „wieder über die Stücke auf der Bühne und nicht über das Theater abseits der Bühne gesprochen“ werden, sagte Ostermayer.

Zunächst wird nun ein interimistischer Leiter für die „Burg“ gesucht. Für den Intendantenposten erfolgt eine öffentliche Ausschreibung. Doch die Suche nach einem Nachfolger könnte sich angesichts der Aufarbeitung des Finanzskandals und dem damit verbundenen Budgetloch schwierig gestalten. Zusätzlich wird wohl das Gericht in den kommenden Monaten zum vielbespielten Schauplatz werden: Hartmann kündigte an, juristisch gegen seine Entlassung vorzugehen. Österreich will hingegen Schadensersatzforderungen prüfen lassen.