„Ich sterbe in der Blüte meines Lebens“

„Ich sterbe in der Blüte meines Lebens“

Gestapo-Keller erzählt von Häftlingen.

Köln. "Liebe Freunde, haben wegen der Politik gesessen. Man hat uns verraten. Unser Bezirk wird bald gehängt oder wir werden erschossen. Ich sterbe in der Blüte der 18-20 Jahre, in der Blüte des Lebens. Lebt wohl", so lautet eine der 1.800 Inschriften in den zehn Zellen des Kölner Gestapo-Gefängnisses, das heute als Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus genutzt wird.

Geschrieben haben die bedrückenden Zeilen die beiden jungen Frauen Anja Koslowa und Galina Krikum aus der ukrainischen Bergbaustadt Tschistjakowo. Sie waren zwei von vielen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen, die von der Gestapo im Keller des Hauses eingekerkert wurden.

In der Endphase vegetierten bis zu 15 Menschen in den fünf Quadratmeter großen Zellen. Ihre Hoffnungen, Ängste und Klagen haben sie tausendfach an die Zellenwände geschrieben. Jetzt werden die Inschriften erstmals der breiten Öffentlichkeit vor Ort zugänglich gemacht.

"Aus konservatorischen Gründen können wir die Besucher nicht in die Zellen lassen, deshalb haben wir im Rahmen der Neugestaltung der Gedenkstätte Infotafeln mit den Inschriften erstellt", sagt der Direktor des El-de-Hauses, Werner Jung. Aufgeteilt sind die Inschriften nach Themen wie Protest und Widerstandsgeist, Hoffnung und Sehnsucht oder Haft- und Lebensbedingungen. 27 Jahre nach der Eröffnung 1981 wurde die Gedenkstätte vollständig erneuert und erweitert.

So können Besucher nun auch die Aufenthaltsräume der Gestapo-Beamten und Wachleute, den Hausbunker sowie eine Dunkelzelle sehen, in der Gefangene isoliert wurden. Getrennt werden die Bereiche der Täter und der Opfer mit einem neuen Lichtkonzept, das die Zellen im warmen Licht und den Wachbereich in kaltem weißem Licht zweigt. In einem Gedenkraum werden die Namen von Gefangenen an die Wand projiziert und vorgelesen.

Damit die meist anonymen Inschriften ein Gesicht bekommen, sind auf Infotafeln fünf Biografien von Häftlingen zu lesen - darunter auch die von Askold Kurow, dem die abenteuerliche Flucht aus der Gestapo-Hölle gelang. "Die Neugestaltung der Gedenkstätte war dringend notwendig, damit die Räume ihrer Bedeutung eines Kulturguts von nationalem und europäischen Rang gerecht werden können", erklärt Jung.

Nirgendwo gebe es eine solche Dichte von eindringlichen Inschriften wie in den Zellen des Gestapo-Gefängnisses. In voraussichtlich drei Jahren soll noch der Innenhof, wo die Hinrichtungen stattfanden, zugänglich gemacht werden.

Ebenfalls neu gestaltet wurde die Dauerausstellung in den oberen zwei Etagen, wo früher die Büros des Gestapo³ waren. Hier gibt es 31 neue Medienstationen, wo unter anderem Interviews mit Zeitzeugen abgerufen werden können. Einzelne Bereiche wie "Jugend" oder "Widerstand" wurden erneuert und um Themen wie "Gestapo" oder "Polizei" erweitert. Appellhofplatz 23-25, di, mi, fr 10 bis 16 Uhr, do 10 bis 18 Uhr, sa/so 11 bis 16 Uhr.