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„Gólgota Picnic“ kommt auf die Bühne

„Gólgota Picnic“ kommt auf die Bühne

Hamburg (dpa) - Trotz der Proteste gegen das umstrittene Stück „Gólgota Picnic“ hat das Thalia Theater in Hamburg das Gastspiel nicht vom Spielplan genommen. „Die Aufführung findet statt“, sagte eine Sprecherin des Theaters, das die Inszenierung während der Lessingtage am Montagabend auf seiner Studiobühne zeigen will.

„Eine Sicherheitsfirma ist mit Kontrollen am Eingang beauftragt, wir erwarten aber kein Polizeiaufgebot“, erklärte die Sprecherin.

Das religions- und konsumkritische Stück des spanisch-argentinischen Regisseurs Rodrigo García hatte bereits in Frankreich und Österreich Empörung ausgelöst. Es zeigt ein bizarres letztes Abendmahl in drastischen Bildern und thematisiert die Frage, inwieweit die Religion Erlösung vom Bösen verheißen könne und ob sie nicht selbst Teil des sogenannten Bösen sei.

Die erzkonservative katholische Piusbruderschaft hatte die Absetzung des Gastspiels gefordert und rechtliche Schritte angekündigt. In „Gólgota Picnic“ werde Jesus als Terrorist dargestellt und mit Blasphemien verhöhnt. Eine weitere Szene zeige eine „groteske Nachahmung der Kreuzigung, eine halbnackte Frau mit falschen Stigmata und einem Motorradhelm mit einer Dornenkrone auf ihrem Kopf“, kritisierte die Piusbruderschaft.

Thalia-Intendant Joachim Lux warf der Piusbruderschaft im Interview mit Deutschlandradio Kultur vor, mit ihrer Ankündigung von rechtlichen Schritten nur Aufmerksamkeit erregen zu wollen. Beim Thalia Theater seien zwar bisher rund 400 Protest-E-Mails und -Faxe eingegangen, von der Staatsanwaltschaft habe er aber noch nichts gehört. Für den Abend erwartete Lux keine Massendemonstrationen, sondern eher „zwei Leute, die sagen, es droht die Sintflut und das Weltgericht“. Zum Stück selbst sagte er, dort würden keine religiösen Empfindungen beleidigt. Der Vorwurf der Blasphemie laufe ins Leere: „Was nicht heißt, dass das eine vollkommen harmlose (.) Veranstaltung ist, das ist es weiß Gott nicht.“

Das Erzbistum Hamburg wollte zunächst die Aufführung abwarten. „Wir werden angemessen auf das Stück reagieren“, sagte Sprecher Manfred Nielen am Montag. Der Rektor der Katholischen Akademie Hamburg, Hermann Breulmann, werde sich die Inszenierung anschauen und am anschließenden Publikumsgespräch mit Ensemble und Theaterintendant Joachim Lux teilnehmen.

Das Gastspiel des Centro Dramático Nacional (Madrid) & Théâtre Garonne (Toulouse), das in spanischer Sprache mit deutschen Übertiteln aufgeführt wird, geht auf einem Picknickplatz voller aufgetürmter Hamburger-Brötchen - dem Schlachtfeld des Konsums - über die Bühne. García ist bekannt für seine extrem physische und kompromisslose Theatersprache.