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Ein vorgezogener Heiligabend

Ein vorgezogener Heiligabend

Silje Nergaard bietet eine magische Vorstellung in der Tonhalle.

Düsseldorf. Es waren nicht nur Songs, die Silje Nergaard in der Tonhalle präsentierte. Es waren Geschichten, "Stories", wie der Titel ihres neues Albums versprach. Mit ihrer Band stellte die zierliche Norwegerin ihre CD "Based on a thousand true Stories" in der nicht ganz ausverkauften Tonhalle vor. Und nahm ihre Zuhörer mit auf eine Reise, die sich zwischen Musikgenuss und melancholischem Schwelgen bewegte.

Eigentlich ist das gar kein Jazz, den die Sängerin mit der klaren, hellen Stimme vorträgt. Es ist eine gelungene Mischung aus atmosphärischen Klängen mit Jazz- und Rockelementen sowie skandinavischem Folk-Einschlag, die zum Zerfließen schön ist. Und bei der eine Kantele, ein eher selten zu hörendes finnisches Zupfinstrument, zum Einsatz kommt.

Schon beim zweiten Stück, dem Titellied des Albums, zeigt sich: Die Lieder bewahren auch ganz ohne Streicher in den auf Quintettgröße reduzierten Arrangements ihren Zauber. So wird etwa "Wayside Song" zu einer ausufernden musikalischen Reise durch eine frostige, düstere Winterwelt. Dabei kann Nergaard sich auf ihre hervorragenden Musiker verlassen.

Helge Lien etwa, der mal am Flügel epische musikalische Welten entwirft und dann am Fender-Rhodes-Piano so in die Tasten greift, dass es manche Zuhörer im Parkett von den Stühlen reißt. Doch auch weihnachtliche Besinnlichkeit darf nicht fehlen. Am Nachmittag sei sie durch die Straßen Düsseldorfs spaziert und habe auf dem Weihnachtsmarkt Glühwein gekostet, plaudert Nergaard in gutem Deutsch. Der sei besser als der norwegische Glögg.

Mit andächtigem Schweigen, dem donnernder Applaus folgt, endet der Abend. Fast scheint es, als würde die zarte Stimme von Silje Nergaard bei "Lullaby for Erle", einem Lied für ihre Tochter, davonschweben. Wenn Weihnachten auch bedeutet, in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter etwas Magisches und Verbindendes zu erleben, dann haben die Besucher des Konzerts von Silje Nergaard in der Tonhalle tatsächlich so etwas wie einen Heiligabend erlebt.