Düsseldorfer Schauspielhaus: Minna von Barnhelm - Reisende in Sachen Liebe

Düsseldorfer Schauspielhaus: Minna von Barnhelm - Reisende in Sachen Liebe

Premiere: Amélie Niermeyer schafft mit „Minna von Barnhelm“ am Düsseldorfer Schauspielhaus den Spagat zwischen Komik und Leiden.

Düsseldorf. Lust- oder Trauerspiel? Diese Frage stellt sich bei Lessings "Minna von Barnhelm". Amélie Niermeyer bedient beides in ihrer Inszenierung am Schauspielhaus Düsseldorf. Sie schafft komische Situationen, gleichzeitig nimmt sie das Leid der Liebenden ernst, die verzweifeln, weil sie nicht zusammenkommen.

Zwei neue Ensemblemitglieder stellen sich mit zentralen Rollen vor. Katrin Röver, die man vergangene Spielzeit schon als Gast in "Kabale und Liebe" erleben konnte, ist eine girliehaft-kesse Minna, die an ihrem Tellheim - egal, was kommt - festhalten will und dessen Ehrgefühl nicht nachvollziehen kann. Stefan Kaminsky leidet als Tellheim fast körperlich unter dem Verlust seiner Stellung und seiner Liebe zu Minna. "Ich bin ein Krüppel, ein Bettler", sagt er. Sie kommen nicht zusammen, weil die Liebe ohne Geld seiner Meinung nach nicht funktioniert und er in Selbstmitleid fast erstarrt.

Zusammenkommen dagegen Wachtmeister Werner und Minnas Zofe Franziska. Thiemo Schwarz und Claudia Hübbecker liefern köstliche Slapstickszenen des heimlichen Verliebtseins: er mit dem Charme eines Jack Bauer aus der TV-Serie "24", sie mit verschmitzter Mimik.

Für komische Momente sorgt auch Fritz Schediwy als schräger Wirt. Schediwy scheint allmählich auf die Rolle des komischen Alten abonniert. Die bedient er allerdings auch auf köstliche Weise, wenn er lüstern an den Frauen herumgrabscht oder sich bei Tellheims Diener Just (Michael Schütz) wie eine Diva über die zu laute Musik beschwert.

Olaf Altmanns Faszination für die Unterbühne konnte man schon bei "Joseph und seine Brüder" erleben. Nun lässt sein Bühnenbild wieder tief in die Maschinerie des Großen Hauses blicken. Eine Schräge führt vom Bühnenniveau eine Etage tiefer, wo Nebel und Musik wabern und der soziale Abstieg der Figuren seinen Ausdruck findet. Unzählige Koffer dienen als Sitzmöbel.

Minna tröstet sich mit Alkohol, Zigaretten und wilden Knutschereien mit einem Gesandten (Thomas Büchel), bevor sie darauf sinnt, wie man Tellheims Ehrgefühl austricksen kann, nämlich, indem sie sich selbst als Verstoßene ausgibt. Doch auch das zieht nicht. Der Eiertanz der Gefühle wird mit einem großen Paukenschlag beendet: Die 15-köpfige Gerresheimer Blaskapelle bläst zum Abschluss allen kräftig den Marsch.

Regie: 3 von 5 Punkten

Bühne: 4 von 5 Punkten

Ensemble: 4 von 5 Punkten

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