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Carolin Kebekus findet "Katholiken nicht harmlos"

Carolin Kebekus findet "Katholiken nicht harmlos"

Komikerin Carolin Kebekus moderiert zum ersten Mal den Comedypreis — und spricht über die Kirche, böse E-Mails und gute PR.

Köln. Als Nachfolgerin von Dieter Nuhr hat Carolin Kebekus zum ersten Mal die Verleihung des Deutschen Comedypreises moderiert — Samstagbend wird die Gala um 22.15 Uhr bei RTL ausgestrahlt. Und nicht nur das: Die 34-Jährige ist auch als beste Komikerin ausgezeichnet worden.

Frau Kebekus, Sie haben erstmals den Comedypreis moderiert. Wollte Dieter Nuhr nicht mehr oder durfte er nicht?

Carolin Kebekus: Es gab die Idee, und Dieter fand es gut. Er hat‘s ja auch ziemlich lange gemacht. Ich glaube, es sollte einfach was Neues gemacht werden.

Die Veranstaltung krankt ja daran, dass jedes Jahr die gleichen ausgezeichnet werden.

Kebekus: Ja, natürlich sind‘s tendenziell immer dieselben Leute, und es gibt immer die Diskussion ,Braucht man das, braucht man‘s nicht?‘ Aber ich hör seit Jahren: ,Comedy ist tot!‘ Deshalb finde ich, ist es immer noch wichtig, dass es diese Veranstaltung gibt.

Dass Sie das jetzt moderieren, ist ja wohl Ihrem kirchenkritischen Videoclip zu verdanken. Der WDR wollte es nicht senden, zeitweise ermittelte sogar die Staatsanwaltschaft. Das war ein Geschenk des Himmels für Sie, nicht wahr?

Kebekus: Das war kein Geschenk des Himmels! Ich wünsche keinem, dass fundamentale Christen hinter ihm her sind.

Was haben die gemacht?

Kebekus: Es gab konkrete Drohungen, das war nicht schön.

Haben die E-Mails geschickt?

Kebekus: Auch das, alles. Es war auf jeden Fall kein Geschenk des Himmels.

Das sind zwei unterschiedliche Dinge: Böse E-Mails mögen unangenehm sein, aber unter PR-Aspekten war das durchaus ein Geschenk des Himmels für Sie. Und man möchte bezweifeln, dass Sie das nicht mindestens zum Teil bewusst so geplant haben.

Kebekus: Ich habe nicht geplant, dass ich bedroht werde. Dass wir am Jesus geleckt haben, ok, da wussten wir, das wird ein bisschen heikel. Aber ohne das hätte man das Video auch gar nicht machen müssen. Da hat Madonna in den 80er Jahren schlimmere Videos gemacht.

Wann kommt Ihr Video über den Islam?

Kebekus: Bevor ich mich über eine andere Religion auslasse, kehre ich doch vor meiner eigenen Haustür. Ich bin katholisch.

Sie sind doch aus der Kirche ausgetreten.

Kebekus: Mittlerweile ja. Aber das betrifft mich.

Der Islam betrifft Sie nicht?

Kebekus: Wieso sollte ich ein Video über den Islam machen?

Weil der Islam im Moment die ganze Welt beschäftigt.

Kebekus: Dann müsste ich auch eins über alle anderen Religionen machen. Mich hat damals die momentane Situation in der katholischen Kirche berührt, ich war auf der Bischofskonferenz, ich habe gehört, wie herablassend die da mit den Leuten umgegangen sind, die Reformen gefordert haben, zum Beispiel dass Geschiedene, die wieder geheiratet haben, zur Eucharistie gehen können.

Es ist doch aber auffällig, dass sich sehr viele Comedians über die katholische Kirche lustig machen, aber keiner über den Islam. Der Grund dafür ist natürlich, dass die Muslime ein bisschen anders reagieren als die Katholiken.

Kebekus: Also, ich habe die Katholiken absolut nicht als harmlos empfunden. Das waren genauso Fundamentalisten, wie es sie in jeder anderen Religion gibt.

Es ist nur merkwürdig, dass Comedians immer nur die katholische Kirche angehen. Wo ist denn der, der mal was zum Islam macht?

Kebekus: Vielleicht mache ich mal was über den Islam.

Das trauen Sie sich nicht.

Kebekus: Ich hatte sogar schon mal was über Salafisten im Programm. Aber es ist etwas ganz anderes, ob man das auf der Bühne macht oder in einem Video. Aber ich sehe schon: Sie wollen gerne, dass ich ein lustiges Video über den Islam mache?

Von der Aktualität her würde sich das anbieten.

Kebekus: Es würde sich absolut anbieten. Ich werde das dem Komitee vom Comedypreis vorschlagen, als lustiges Vorsetzervideo. Aber dann werden Sie mir wieder vorwerfen, dass ich das nur aus PR-Gründen mache.

Die PR hätten Sie sich dann mehr als verdient.

Kebekus: Gut. Warten wir mal ab.