Ballett: Getanzter Liebeskummer

Robert North inszeniert den Fado in Mönchengladbach.

Krefeld/Mönchengladbach. Er erzählt von Liebeskummer, Sehnsucht und sozialen Missständen: Der Fado, die portugiesische Wehmutsmelodie — so heißt es — spiegelt die nationale Seele wider. Hinter den Klageliedern verbirgt sich die wahre Lebensgeschichte der Maria Severa (1820-1846), die den Fado-Gesang begründete.

Als junge Frau folgte sie ihrem Geliebten nach Lissabon. Doch der Seemann kehrte nicht mehr zurück. Maria lebte von Prostitution. Mit ihren legendären Auftritten in Tavernen, begleitet von der dickbäuchigen, portugiesischen Gitarre, sang sie sich ihre tiefe Traurigkeit von der Seele. Die berühmteste Fado-Sängerin aller Zeiten starb mit nur 26 Jahren.

Der Ballettchef der Vereinigten Bühnen KrefeldMönchengladbach, Robert North, entdeckte den Stoff für sich: „Ich dachte, daraus könnte man ein hoch dramatisches Ballett machen. Dazu verwende ich Fado und traditionelle, portugiesische Musik“, so der Amerikaner. Diese sei wunderbar zu vertanzen wegen ihrer Vielseitigkeit, Rhythmik und Emotionalität.

Im Kontrast dazu choreografiert er Ravels „Bolero“ als abstraktes Ballett. Dazu, so North, inspirierten ihn die Erinnerungen an seine Kindheit. In den 1950er Jahren lebte der Sohn eines Bildhauers in Mexiko, Kuba und Spanien, wo ihn Flamenco, Stierkämpfe und religiöse Rituale beeindruckten. Beide Ballette stattet Louisa Spinatelli aus. Der Abend „Fado/Bolero“ feiert seine Uraufführung am Samstag im Theater im Nordpark in Mönchengladbach.

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