Weltbild-Verlag wird verkauft

Weltbild-Verlag wird verkauft

Die katholische Kirche zieht Konsequenzen aus den Schlagzeilen um erotische Titel im Verlagsangebot.

Augsburg. Jahrelang sind nicht nur Erzkonservative gegen erotische und esoterische Titel im Angebot des kircheneigenen Weltbild-Verlages Sturm gelaufen. Jahrelang verhallte ihre Empörung weitgehend ungehört. Doch seit Mitte Oktober tobt ein heftiger Streit um das Geschäftsgebaren des Augsburger Unternehmens, und der hat jetzt Konsequenzen: Die Kirche will den Verlag nach einem Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz so schnell wie möglich verkaufen.

Die Vollversammlung des Verbandes der Diözesen Deutschlands teilte am Dienstag mit: „Es ist der Geschäftsführung nicht gelungen, die internetgestützte Verbreitung sowie Produktion von Medien, die den ideellen Zielen der Gesellschafter widersprechen, hinreichend zu unterbinden.“ Darunter habe die Glaubwürdigkeit der Verlagsgruppe und ihrer Gesellschafter gelitten.

Das ist milde ausgedrückt. Denn zu 1000 zumindest vom Titel her erotischen Produkten („Das Schlampen-Internat“) im Weltbild-Angebot gesellen sich noch deutlich mehr esoterische Werke sowie bizarrerweise die „Schöpfungslüge“ des britischen Atheisten Richard Dawkins.

Die Gesellschafter enthoben drei Aufsichtsräte ihres Amtes und legten die Geschäftsführer an die kurze Leine: Alle zwei Wochen muss sie über „Maßnahmen zur Einhaltung der Unternehmensziele im Sinne der Satzung“ berichten. Weltbild-Chef Carel Halff reagierte auf die Ankündigung „mit Demut und dankbar für die großartige Zeit“. Zugleich versuchte er eine Rechtfertigung: „Wir haben uns immer bemüht, den Anforderungen der Gesellschafter gerecht zu werden.“ Allerdings lasse sich das Angebot bei der Fülle der Titel im Internet nicht mehr „in vollem Umfang kontrollieren“.

In die Debatte hatten sich zuletzt auch die Kardinäle Reinhard Marx aus München und Joachim Meisner aus Köln eingeklinkt. „Es geht nicht, dass wir in der Woche damit Geld verdienen, wogegen wir sonntags predigen“, so Meisner. Der Kardinal gehört seit langem zu den Weltbild-Gegnern. Sein Bistum gab 2008 die Anteile an dem Konzern ab und verdient seitdem nicht mehr an Weltbild.

Die Entscheidung zum Verkauf befeuerte auch Papst Benedikt XVI., dessen Ermahnungen den Druck auf die Bischöfe deutlich verstärkt haben. Bei seinem Deutschlandbesuch hatte Benedikt in Freiburg unter anderem dazu aufgerufen, „die Weltlichkeit der Kirche beherzt abzulegen“. Anfang November forderte er zudem, die „Verbreitung von Material erotischen oder pornografischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken“.

Ob überhaupt, und wenn ja welchen Käufer die 14 Weltbild-Gesellschafter finden werden, ist ungewiss. Bereits vor drei Jahren hatten sie schon einmal einen Anlauf gewagt und waren an der Wirtschaftskrise gescheitert. Damals waren die Medienkonzerne Holtzbrinck und Bertelsmann als Interessenten im Gespräch.

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