Umberto Eco: „Bin Amateur“

Umberto Eco: „Bin Amateur“

Dem Philosophen Umberto Eco gelang 1980 mit dem Roman „Der Name der Rose“ überraschend der Durchbruch als Autor.

Rom. Raffiniert und offensichtlich mit viel Spaß vermischt Umberto Eco Realität und Fiktion. Vor allem aber tut er dies mit erheblichem Erfolg auf dem Büchermarkt weltweit, der selbst ernannte „Meister der Vernebelung“: Der Norditaliener schreibt ebenso spannende wie verschlungene Romane, voller Geistesblitze und kulturhistorischer Dichte. Der millionenfach verkaufte erste Roman „Der Name der Rose“ von 1980, später kongenial von Jean-Jacques Annaud mit Sean Connery verfilmt, brachte Eco einen schlagartigen Durchbruch. Am Donnerstag wird er 80 Jahre alt.

Fünf Romane folgten, aktuell ging es in „Der Friedhof in Prag“ um Antisemitismus und um folgenschwere Verschwörungstheorien. Umberto Eco ist einer der Großen der zeitgenössischen Weltliteratur. Einer, dem aber der Nobelpreis noch fehlt. Woran er schreibt, da hält sich Eco immer gerne bedeckt. „Er steht für Stellungnahmen, auch rund um seinen Geburtstag, leider nicht zur Verfügung“, gibt sein Verlag einen abschlägigen Bescheid.

Was ihn weltbekannt gemacht hat, war für ihn zunächst nur ein angenehmer Nebenschauplatz: Er betrachte sich hauptberuflich als Geisteswissenschaftler, das Romanschreiben betreibe er als „Amateur“, meint der Norditaliener in seinen zum 80. Geburtstag auf Deutsch erschienenen „Bekenntnissen eines jungen Schriftstellers“. Weil er seine literarische Karriere im Alter von 50 Jahren mit dem düsteren Klosterdrama „Der Name der Rose“ begann, betrachtet sich Eco darin „als einen ziemlich jungen und sicher vielversprechenden Romancier“.

In den nächsten Jahrzehnten werde er wohl noch viele Romane verfassen. Das klingt nach Selbstironie, beschreibt aber gut den enormen Fleiß des Autors. Was er will? Er will das Leben in seiner ganzen prallen und widersprüchlichen Unauslotbarkeit darzustellen versuchen. Er will nicht nur unterhalten, sondern auch provozieren, und zählt sich dabei auch nicht „zu jenen schlechten Schriftstellern, die behaupten, sie schrieben nur für sich selbst“.

Das tut Eco nun wahrlich nicht. Ob „Das Foucaultsche Pendel“, „Die Insel des vorigen Tages“ oder sein Roman „Baudolino“, gekonnt verknüpft dieser Mittelalterforscher, Philosoph und Semiotiker die Handlungsbögen, macht Falltüren auf und zu und führt durch wissenschaftlich-historische Gedankenlabyrinthe. Und das alles verwebt er mit Träumen, Theorien, Rückblenden und — wie zuletzt „Der Friedhof in Prag“ zeigt — mit abstrusen Hirngespinsten.

Nichts ist, wie es scheint, aber alles ist bei dem großen Fabulierer fein konstruiert. So hatte „Der Bestseller-Professor“ (Titel einer Dokumentation über Eco) es formuliert: „Ein Erzähler kann nichts erfinden, was der Komik und der Dramatik der Wirklichkeit auch nur annähernd gleichkäme.“

Der fleißigste und bekannteste Intellektuelle Italiens, seit einem halben Jahrhundert schon verheiratet mit einer Deutschen und Vater zweier Kinder, hat nach dem Ende seiner Lehrtätigkeit 2007 noch mehr Zeit für anderes.

Ein Anliegen des Autors hat sich jedoch erledigt: Der Mann, den er lange in Wort und Schrift attackiert hat, ist nicht mehr in Rom am Ruder: Der Skandalpremier Silvio Berlusconi. Was auch immer Eco jetzt in der Zeit nach Berlusconi schreiben wird — aller Anfang ist dabei meist seine mit mehr als 20 000 Büchern vollgestopfte Mailänder Bibliothek.

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